GROSSE SCHIFFE

September 13, 2022 | | No Comments

CHF 10.00

David Sandlin
Milva Stutz
Gabriela Jolowicz
Helge Reumann
Kerstin Wichmann
Andreas Gefe
Taddeo Lorenzo Motta
Anna Sommer
Aurel Märki
Luigi Archetti
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Beschreibung

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EDITORIAL


Mich als Binnenländer fasziniert die Welt der Hochseeschifffahrt und der Hafenstädte immer wieder aufs Neue. Wenn mein Blick in Hamburg, New York, Marseille, Rostock oder Triest auf die grossen Schiffe fällt, macht sich ein positives Empfinden breit, dass sich aus Nostalgie und Sehnsucht nach der Ferne zusammensetzt. Gemeint sind aber immer die Frachtschiffe, Tanker und andere Arbeitstiere der Weltmeere, nie die überdimensionierten Freizeitanlagen. Die Notwendigkeit des industriellen Komplexes und dessen Ästhetik und Geruch stehen mir näher als die Pseudofreiheit und Selbstisolation auf Kreuzfahrtschiffen.
Das grösste Containerschiff zurzeit ist die Ever Alot, die 24 000 Container laden kann, ein Schwesterschiff der bekannten Ever Given, die am 23. März 2021 im Suez Kanal stecken blieb. Es sind Schiffe, die knapp 400 Meter lang und 60 Meter breit sind, ihre Motoren haben eine Leistung von bis zu 80 000 PS. Natürlich sind nicht alle Containerschiffe solche Giganten. Die rund 6200 Containerschiffe, die derzeit weltweit unterwegs sind, haben dennoch eines gemeinsam: Aus ihren Schornsteinen entweichen CO2 und andere Treibhausgase, Stick- und Schwefeloxide, Feinstaub und Russ. Chemikalien aus dem Anstrich der Rümpfe gelangen ins Meer. Kühlmittel, Maschinenöle und Reinigungsmittel können austreten. In Ballasttanks und an der Bordwand reisen Lebewesen mit, die heimische Arten verdrängen und ganze Ökosysteme verändern. Mit ihrem hohen CO2-Ausstoss tragen Frachter zur weltweiten Umweltbelastung bei.
Kommt dazu, dass jeden dritten Tag irgendwo auf den Weltmeeren ein Frachter Schiffbruch erleidet und als Wrack auf dem Meeresgrund endet, meist wegen mangelhaftem Unterhalt, da die Reedereien teure Reparaturen scheuen. Jährlich laufen etwa 150 000 Tonnen Rohöl aus, dazu kommen noch
weitere «unsichtbare» Ölmengen, die auf bis zu 1.8 Millionen Tonnen im Jahr geschätzt werden und bei der Deckreinigung oder der Wartung der Motoren ins Meer gespült werden. Die Container auf den Frachtschiffen sind häufig ungenügend gesichert, sodass sie nicht nur bei einer Havarie ins Meer fallen, oft reicht ein Sturm aus. Doch richtig Schmerzen bereitet das den Reedereien nicht — die Versicherung übernimmt ja den Schaden. Von den Millionen Containern, die jährlich über die Meere geschifft werden, werden lediglich zwei bis höchstens 10 Prozent von den Zollbehörden kontrolliert, weshalb niemand wirklich weiss, welche Güter in herrenlosen Containern, die vom Schiff gefallen sind, auf dem Meer herumtreiben; von Autos über Drogen und Waffen bis zu giftigsten Chemikalien ist alles möglich. Rund 60 000 Handelsschiffe sind auf den Weltmeeren unterwegs, fast 90 Prozent aller Exportwaren werden per Frachtschiff transportiert.
Die Arbeiten von Luigi Archetti in dieser STRAPAZIN-­Ausgabe haben nichts mit dem Thema Schifffahrt zu tun. Vielmehr möchte ich hier und jetzt und auch in Zukunft Künstler*innen und Zeichner*innen Platz geben, die sich nicht zwingend im Narrativen bewegen, die gleichzeitig aber mit gezeichneten, konstruierten Bildwelten starke Impulse an uns weitergeben. Deshalb gebe ich dem Künstler, Performer und Musiker Luigi Archetti hier eine Carte Blanche.
Roli Fischbacher

 
 

DAS GESCHRIEBENE WORT

Wolfgang Bortlik

 
 

DAZZLE

von Christoph Schuler

 
 

PFLICHT LEKTüRE


Hanna Harms: «Milch ohne Honig»

Luka Lenzin: «Nadel und Folie»

Erwin Dejasse: «Art Brut et bande dessinée»

Ege Avci: «Im Schatten der Filzkutte»


Gipi: «Besondere Momente mit falschem Applaus»

Julie Doucet, «Time Zone J»

Steve Coulson: «Summer Island»

Powerpaola: «Virus Tropical»


Jeremy Holt, George Schall: «Made in Korea»

Hubert/Zanzim: «In der Haut eines Mannes»

Nick Drnaso: «Acting Class»

Marijpol: «Hort»


Dr. Seuss: «Schlummerbuch»

Anja Wicki: «In Ordnung»

Kurz und Gut

von Christian Meyer-Pröpstl

 
 

Biografien

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