CELEBRATE PUBLISHING

März 14, 2023 | | No Comments

CHF 10.00

Aisha Franz
Lina Ehrentraut
Noah Van Sciver
Victoria Rodríguez
Louka Butzbach
Nicolas Mahler
Zane Zlemeša
Júlia Barata
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Beschreibung

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CELEBRATE PUBLISHING
 

«Meine Motivation ist, dass ich im Grunde ein Fan bin: Ich bin einfach Fan und war schon immer Fan. Ich habe mich nie so sehr um die Leser*innen gekümmert. Ich veröffentliche, was mir gefällt, und wenn es anderen auch gefällt,
umso besser.»



David Basler
Strapazin
Gespräch 1, 01:13:03



 
«Du machst deine Bücher mit Problemen und Schwierig­keiten, und plötzlich bekommst du eines Tages eine E-Mail vom anderen Ende der Welt, in der steht, dass jemand an dir interessiert ist. Bücher machen Freund*innen.»


Jean-Philippe Bretin
Lagon
Gespräch 1, 01:14:24



 

«Wir sind sehr ähnliche Freaks.»

Gespräch 1
15.12.2022
Dauer 01:24:43
mit Lagon,
Musaraña Editora,
Strapazin
.

 

Gespräch 2
12.01.2023
Dauer 01:43:07
mit Colorama,
Edition Moderne,
Fantagraphics,
femiñetas, kuš!

 

 

 
In dieser Ausgabe von Strapazin — es ist die einhundertfünfzigste und somit eine Jubiläumsnummer — möchten wir das unabhängige Publizieren von Comics zelebrieren und die internationale Comic-Familie feiern!

Neben Anthologien wie Strapazin sind kleine Verlage wichtige Plattformen für das zeitgenössische Comic-Schaffen; mit ihren relativ kleinen, flexiblen und gut vernetzten Strukturen verfügen sie über ein feines Gespür für aktuelle Tendenzen und vielversprechende Talente. Dank relativ überschaubaren, oft radikalen Programmen haben unabhängige Verlage im Vergleich zu grösseren Häusern ein klareres Profil, sie stehen für konsequente Qualität sequenzieller Bildergeschichten, für bestimmte Inhalte und akzentuierte Buchgestaltung. Auch gehen sie meist aus Idealismus verlegerische Risiken ein und regen so den Diskurs rund um das Comic-Schaffen an.
Es existiert eine grosse Solidarität in der Comic-Szene: die interessiertesten Fans und Käufer*innen neu erschienener Comics sind oft die Produzent*innen selbst, denn die unterschiedlichen Akteur*innen der Szene sind einander wohlwollend zugewandt. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Verlagen zu — sie machen durch ihre Programme die Autor*innen und deren Werke sichtbar und vernetzen sie untereinander und mit der Leser*innenschaft.

Dasselbe tut Strapazin seit 1984, deshalb rücken wir in dieser Jubiläumsausgabe für einmal das Publizieren an sich in den Vordergrund. Acht Verlage und Magazine, deren Arbeit wir lieben und bewundern — darunter ­Strapazin selbst —, stellen hier mittels Comics ihrer Autor*innen die Geschichte, Praxis und Werte ihres Verlags vor. Diese sind in der «Muttersprache» des jeweiligen Verlags gehalten und falls nötig von deutschen Übersetzungen begleitet. Zusätzlich werden alle Verlage mittels je drei prägenden Publikationen aus ihrem Programm vorgestellt. Und schliesslich haben sich die Verleger*innen in zwei Gesprächen ausgetauscht, die via QR-Code auf Youtube in voller Länge auf Englisch geschaut werden können — auf Deutsch übersetzte ­Auszüge daraus finden sich auch im ganzen Heft verteilt.

Für uns als Redaktionsteam war diese Ausgabe eine Gelegenheit, uns mit alten und neuen Bekannten über Comics und die Verlagsarbeit auszutauschen, uns in unseren Ansichten bestätigen, aber auch herausfordern zu lassen — und nicht zuletzt unserer Leidenschaft für dieses Medium Ausdruck zu verleihen.
Wir danken allen Beteiligten ganz herzlich für ihre Beiträge und wünschen anregende Lektüre!

José Sainz
(freischaffender Comic-Redaktor,
Rosario, Argentinien)

Julia Marti
(Mithe­rausgeberin von Strapazin und
Co-Verlegerin bei Edition Moderne,
Zürich, Schweiz)

 
 

Colorama
Colorama wurde 2015 in Berlin von Johanna Maierski gegründet. Die Publikationen und Ausstellungen von Colorama präsentieren zeitgenössische Künstler*innen im Bereich experimenteller Comics und Kunst sowie Projekte, die sich mit spekulativen Erzählformen, kollektiver Narration und alternativer Wissensproduktion beschäftigen.

@coloramaprint
@coloramaclubhouse
@coloramaworkshop

 
«Ich habe Architektur studiert und dachte immer, ich würde einen akademischen Weg einschlagen. Aber ich bin in gewisser Weise mit Comics aufgewachsen. Mein Vater war ein Donaldist, also lasen wir Carl Barks’ Donald Duck, als ich ein Kind war. Wir haben jeden Monat das neue Heft bekommen. Damals mochte ich Comic-Magazine sehr gerne, später dann Comic-Zines. Ich hatte nie wirklich vor, ins Verlagswesen einzusteigen.

Während meines Studiums habe ich festgestellt, dass ich mehr Lust hatte, an den Projekten anderer mitzuarbeiten, als meine eigenen zu gestalten. Eine Zeit lang wollte ich Comics zeichnen, und das habe ich auch eine Weile getan, aber dann habe ich gemerkt, dass ich viel mehr daran interessiert bin, mit anderen Leuten zu arbeiten, sie zu beraten und sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Ich wusste gar nicht, dass es dafür eine richtige ­Stellenbeschreibung gibt!

In das Verlagswesen bin ich hauptsächlich durch Kunstbuchmessen und den Riso-Druck hineingerutscht. Als ich mit dem Riso-Drucken anfing, bekam Riso eine Menge Aufmerksamkeit, und eines Tages wurde ich von einem Festival in London kontaktiert. Sie boten mir einen Tisch an, um meine Bücher zu präsentieren, obwohl ich nur zwei oder drei Zines hatte. Ich glaube, sie wollten nur Tische verkaufen, aber ich fühlte mich trotzdem sehr geschmeichelt. Also beschloss ich, einfach Bücher zu machen!

Heute mache ich Auftragsdrucke für Kund*innen, gebe auch Workshops an Universitäten und veröffentliche meine eigenen Publikationen — das sind also die drei Säulen, auf denen Colorama steht. Ich kann nicht nur vom Verkauf der Bücher leben. Einer der Gründe dafür ist, dass meine Künstler*innen einen relativ hohen Anteil am potentiellen Gewinn erhalten, unabhängig davon, wie sich das Buch verkauft.»

Johanna Maierski
Colorama
Gespräch 2, 00:16:24

 
 
«Es war eher zufällig, ich hatte nicht vor Verlegerin zu werden. Ich lernte Julia und Claudio durch einen früheren Job kennen. Dort sagte man mir, dass sie noch ­jemanden für ihr Team suchten.

Im ersten Jahr war ich Teil des Teams, aber noch nicht Mitherausgeberin. Mit der Zeit zeigte sich, dass ich immer mehr in alle Aspekte der Edition Moderne involviert war. Es machte also Sinn, dass wir den Verlag zu dritt leiten.

Ich bin da irgendwie hineingerutscht, es war nicht etwas, das ich mir vor Jahren vorge­nommen hätte. Ich habe ­Geschichte studiert, Verlegen war nicht mein Ziel, bis ich damit angefangen habe, aber ich bin sehr glücklich, hier zu sein.»

Marie-France Lombardo
Edition Moderne
Gespräch 2, 00:05:40

 
 

Edition Moderne

Der Verlag für Comics, Graphic Novels und Humor ist der einzige Verlag dieser Art der Deutschschweiz und der älteste im deutschsprachigen Raum. Die Edition Moderne wurde 1981 in Zürich von David Basler, Wolfgang Bortlik und Richard Bhend gegründet und wird heute «in der zweiten Generation» von Claudio Barandun, Marie-France Lombardo und Julia Marti geführt. Der Verlag ist inhaltlich und gestalterisch hochstehenden Büchern verpflichtet, die politisch relevant sind: Auch marginalisierte Stimmen und Themen bekommen eine Plattform.

editionmoderne.ch
@editionmoderne

 
«Ich habe vor sechzehn Jahren mit dem Verlegen angefangen, als ich nach Lettland kam und nicht wusste, was ich hier tun ­sollte. Meine Freundin hat mich ermutigt und so haben wir kuš! herausgegeben, um Comics nach Lettland zu bringen. Ich vermisste Comics, weil es ­damals in Lettland keine gab, und so haben wir damit angefangen.

Ich bin in der Schweiz geboren und habe mich sehr von Strapazin (→ S. 40) inspirieren lassen, weil ich das Magazin viele Jahre lang gelesen habe. Ich habe zehn Jahre lang das Comic-Festival Fumetto in Luzern besucht, bevor ich mit dem Verlegen begann — das waren meine Inspirationen.

Im ersten Jahr veröffentlichten wir in lettischer Sprache. Es wurden auch internationale Künstler*innen vorgestellt, aber es wurde auf Lettisch veröffentlicht. Wir hatten Probleme mit dem Vertrieb: Nach einem Jahr wollte unser Vertrieb nicht mehr mit uns zusammenarbeiten und wir gingen fast pleite. Dann fanden wir Finanzierung und begannen, diese kleinen Magazine auf Englisch herauszugeben. So hat sich kuš! zu diesem kleinen Low-Budget-Format in englischer Sprache entwickelt. Zur gleichen Zeit begannen wir, direkt an Läden auszuliefern.

In den ersten fünf Jahren habe ich mich nicht voll und ganz dem Verlag gewidmet: Damals hatte ich noch ein paar Nebenjobs, freiberufliche Tätigkeiten, die nichts mit kuš! zu tun hatten. Diese ersten Jahre waren finanziell ein ziemlicher Kampf. In der Schweiz habe ich in der Nachtschicht bei der Zeitung Blick gearbeitet — das war wirklich gut bezahlt. Und da die Lebenshaltungskosten in Lettland geringer waren, konnte ich einen Teil meiner Ersparnisse in die kuš! stecken.»

David Schilter
kuš!
Gespräch 2, 00:07:49

«Mein Vater ist Mitbegründer von Fantagraphics, so dass ich inmitten dieser Gemeinschaft von Künstler*innen, Redakteur*innen und Kreativen aufgewachsen bin. Mit einem solchen Hintergrund war es immer eine Möglichkeit, Redakteur zu werden. Dennoch hatte ich mich während meines Studiums eher ein wenig von Comics entfernt. Aber sobald ich meinen Abschluss gemacht hatte und in der realen Welt angekommen war, entdeckte ich Comics irgendwie wieder und es fühlte sich an, als wäre es unvermeidlich, dass ich mich damit beschäftigte. Insbesondere als ich vor ein paar Jahren am internationalen Comic-Festival in Angoulême war, einige Reisen unternommen und gesehen habe, wie viel international produziert wird.

Das hat mich umgehauen. Ich war es gewohnt, auf Festivals in den USA zu gehen, aber ihr da draussen nehmt Comics so ernst. Ich war und bin immer noch erstaunt über die Künstler*innen und Redakteur*innen, die die Grenzen des Mediums an vielen Orten auf der Welt vorantreiben.

Die globale Szene kennenzulernen, war ein echter Trip.»

Conrad Groth
Fantagraphics
Gespräch 2, 00:13:19

 
 

Fantagraphics

Fantagraphics wurde 1976 in College Park, Maryland, USA, von Gary Groth und J. Michael Catron gegründet und wird heute von Gary Groth und Eric Reynolds geleitet. Seit mehr als 40 Jahren veröffentlicht Fantagraphics Comics und Cartoons in all ihren Erscheinungsformen, von den frühen Koryphäen dieser Form bis hin zu zeitgenössischen Künstler*innen aus aller Welt, die derzeit die Zukunft des visuellen Geschichtenerzählens prägen.

fantagraphics.com
@fantagraphics

 
«Ich bin seit über zwei Jahrzehnten als Journalistin tätig, femiñetas gibt es seit vier Jahren. Ich konnte die ersten beiden Ausgaben veröffentlichen, indem ich ein paar Kooperationsprojekte zusammenstellte — und von da an wuchs es. Bis heute haben wir Beiträge von 300 Autor*innen publiziert. femiñetas am Leben zu erhalten, ist nicht einfach. Wir tragen uns selbst, indem wir uns über verschiedene Kanäle finanzieren: Direktverkäufe über unsere Website oder auf Festivals, Einzelhandel, den wir selbst beliefern, private und öffentliche Gelder, femiñetas-bezogene Auftritte ausserhalb der Zeitung usw. Wir stehen vor der Herausforderung, in einer Welt, die immer komplizierter wird, weiter zu publizieren.

Wir haben dank der Gemeinschaft, die wir um uns herum ­aufgebaut haben, überlebt; einer Familie von Freund*innen und Mitarbeitenden in meinen beiden Ländern — ­Argentinien, wo ich geboren ­wurde, und Spanien, wo ich seit 2017 lebe. Zu dieser Familie ­gehören auch die grosszügigen Kolleg*innen, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe und mit denen ich im Austausch bin. Sie waren sehr hilfreich und inspirierend, indem sie mir Feedback und Ratschläge zu vielen Themen gaben.»

Flor Coll
femiñetas
Gespräch 2, 00:20:10

«Obwohl ich viele Kooperationen mit anderen Redakteur*innen ­realisiert hatte, war Musaraña von Anfang an eine Ein-Mann-Armee. Das änderte sich vor ein paar ­Jahren, als Julia Bustos und ich die Kindercomic-Reihe Musarañita starteten. Wir betrachten sie als unser gemeinsames Labor.

Wir bringen beide Ideen zu Künstler*innen und Geschichten ein und entwickeln sie von Grund auf. Das ist uns lieber, als Eingaben zu erhalten. […] Wir haben kein Büro, also erledigen wir diese Arbeit meistens in un­serer Buchhandlung. Für die Bücher, die nicht zu ­Musarañita gehören, arbeite ich meistens allein.»

Alejandro Bidegaray
Musaraña Editora
Gespräch 1, 00:35:33

«Bücher zu machen, ist für mich wie kleine Häuser bauen.

[…] Ich brauche Abwechslung, um produktiv zu bleiben — eine Menge Dopamin aus verschiedenen Dingen! Und Häuser funktionieren auf ähnliche Weise: Um ein Haus zu bauen, braucht man Leute, die sich um die verschiedenen Aspekte kümmern, z. B. Elektriker*innen, Schreiner*innen, Sanitär*innen — man muss all diese Dinge im Auge behalten.

Man muss mit Leuten zusammenarbeiten, die etwas besser können als man selbst. Die erste Herausforderung besteht darin, die Geschichte in eine Buchform zu bringen, was im Dialog geschieht. Für mich ist es auch wichtig, etwas zu tun, das Spass macht. ­Deshalb neige ich dazu, dumme ­Entscheidungen zu treffen.

Ich mache also Dinge, die nur möglich sind, weil ich mich selbst ausbeute. Das gibt mir die Freiheit, bei der Produktion eine Menge Risiken einzugehen. Ich kann zum Beispiel mit einer Technik experimentieren, die ich noch nie benutzt habe oder die mich interessiert. All das regt mein Gehirn an. Die Herstellung der Bücher ist also mein kreativer oder künstlerischer Ausdruck.»

Johanna Maierski
Colorama
Gespräch 2, 00:34:31

«Es ging nicht darum, die Welt der Comics zu verändern. Wir dachten nur: ‹Wir müssen etwas Gemeinsames machen!›.

[…] Wir wollten traumhafte Bücher für uns und die Leser*innen machen — das war unsere Motivation.»

Séverine Bascouert und Sammy Stein
Lagon
Gespräch 1, 00:52:10

«Strapazin unterscheidet sich von vielen anderen Magazinen, weil wir keine Chefredaktion haben.

Jede Ausgabe hat andere Redakteur*innen. Wir sind mehr als zwanzig Herausgeber*innen und haben jeweils im November Jahressitzung. Alle bringen Ideen für künftige Ausgaben ein, wir diskutieren sie und entscheiden, wer die Redaktion für die nächsten vier oder fünf Ausgaben übernehmen wird.»

David Basler
Strapazin
Gespräch 1, 00:28:00

 
 

femiñetas

femiñetas wurde 2018 in Rosario, Argentinien, und Barcelona, Spanien, von Flor Coll gegründet. Es ist eine feministische, illustrierte, transozeanische, selbstverwaltete und kollektive Zeitung. Bisher hat sie Beiträge von rund 300 Autor*innen aus verschiedenen Teilen der Welt, vor allem aus Argentinien und Spanien, veröffentlicht.

feminetas.com
@feminetas

 

 

«Wir verlegen seit acht Jahren. Am Anfang haben wir alles selbst im Riso- und Siebdruck produziert. Danach haben wir den Offsetdruck in den Prozess integriert. Den Risodruck haben wir mitlerweile eingestellt und realisieren alles in Offset- und Siebdruck mit speziellen Farben. Jede Ausgabe ist anders: andere Künstler*innen, andere Namen, besondere Farben.

Wir versuchen, neue Formen von Comics zu veröffentlichen, aber wir sind auch an klassi­scheren Erzählungen interessiert. Auch andere Künstler*innen, die keine Comics machen, sind eingeladen. Wir freuen uns über Leute, die mit dem Medium experimentieren. Wir erforschen, was Comics sein können.»

Sammy Stein
und Jean-Philippe Bretin
Lagon
Gespräch 1, 00:04:43

«Ich interessiere mich sehr für ­Comics für Kinder, ich bin total verliebt in sie. Vor drei Jahren ­wurde meine Tochter und zur ­gleichen Zeit auch Musarañita ­geboren. Ich liebe Comics seit meiner Kindheit und ich denke, es ist wichtig, relevante, aus­sagekräftige Comics für Kinder zu produzieren, die sie aus einer ­zeitgenössischen Perspektive ­ansprechen. Wir wollen uns mit ­frischen Themen auf neuen Wegen der Komplexität der Welt nähern.

Für uns ist es zentral, Comics zu machen, die Kinder selbst lesen wollen. Wir arbeiten daran, Comics in Schulprogramme einzubinden, denn wir sehen sie als ein wichtiges Instrument, mit dem die Kinder Spass haben und lernen können.

Zum ersten Mal habe ich das ­Gefühl, dass Musaraña etwas wirklich Sinnvolles tut.»

Alejandro Bidegaray
Musaraña Editora
Gespräch 1, 00:45:50

«Meine Hauptmotivation ist die Neugierde.

In den Achtzigerjahren waren Comics im deutschsprachigen Raum völlig unbekannt. Deshalb war es für mich damals eine Mission, Comics zu veröffentlichen und zu zeigen, was Comics können. Ich denke immer noch, dass Comics eine ganze Reihe von verschiedenen Möglichkeiten bieten, sich auszudrücken. Strapazin ist eine Plattform für viele verschiedene Künstler*innen und bringt viele verschiedene Ansätze zum Zeichnen von Comics zusammen. Ich glaube, wir haben in über 35 Jahren mehr als tausend Künstler*innen veröffentlicht.

Und Comics haben diese besondere Art von Freiheit: Um Comics zu machen, braucht es nur Stift und Papier, was sie zu einem zutiefst demokratischen Medium macht.»

David Basler
Strapazin
Gespräch 1, 00:51:12

 
 

Lagon

Lagon wurde 2014 in Paris und Saint-Saturnin-lès-Apt von Alexis Beauclair, Bettina Henni, Séverine Bascouert und Sammy Stein gegründet. Heute wird es von Séverine Bascouert, Sammy Stein und Jean-Philippe Bretin geleitet. Lagon ist eine Zeitschrift für die Avantgarde des Comics und zeigt neue Formen des grafischen Erzählens von französischen und internationalen Künstler*innen. Lagon ist zweisprachig (französisch/englisch), wird teilweise von der Redaktion selbst gedruckt und ändert seinen Namen mit jeder neuen Ausgabe.

revuelagon.com
@lagon_revue

 

 
«Als wir anfingen, war die feministische Bewegung in der ganzen Welt im Aufwind und ging auf die Strasse, und viele Druckerzeugnisse wurden für und während dieser Begegnungen und Demonstrationen hergestellt.

Vor diesem Hintergrund war eine Zeitung eine gute Wahl: Sie ist ­billig und schnell zu drucken und einfach zu verteilen, da sie leicht ist, gefaltet werden kann, ohne zu zerbrechen. Ausserdem ist sie auch billig zu kaufen — das ist wichtig. Für mich ist der Druck einer ­Zeitung, die Verwendung von ­Zeitungspapier, eine politische Entscheidung. Und die Sprache der Comics ermöglicht es, dass ein Teil unserer Inhalte Sprach­barrieren überwindet.

Ausserdem war eine Comic-Zeitung in Spanien und Argentinien etwas, das es noch nicht gab, also war es nicht nur nützlich, sondern auch interessant für mich, das zu erkunden. […] Ich glaube, unser Publikum betrachtet femiñetas nicht als Wegwerfartikel, weil es die Arbeit und die Liebe dahinter versteht. Um sie noch haltbarer zu machen, liegt jeder Ausgabe ein Poster bei. Das motiviert die Leute, es zu behalten, oder zumindest die Doppelseite zu behalten und den Rest zu verteilen. Oft habe ich Graffitis und T-Shirts gesehen, die auf unseren Inhalten basieren. Ich denke, das ist sehr wertvoll, denn so werden die Inhalte unserer Künstler*innen weiterverbreitet.»

Flor Coll
femiñetas
Gespräch 2, 00:48:49

«Projekte in kleinen Auflagen ­werden digital gedruckt und in ­Musaraña Libros, unserer Buchhandlung, und auch auf ­Festivals und über den Einzel­handel verkauft. Daneben machen wir grössere Projekte mit Auflagen von ca. 3000 Exemplaren. Dann arbeiten wir mit einem ­Vertrieb, damit die Bücher in Buchhandlungen im ganzen Land ­erhältlich sind.»

Alejandro Bidegaray
Musaraña Editora
Gespräch 1, 00:36:10

«Zum Glück gibt es in Frankreich ein wichtiges Förderprogramm: Bücher in französischer Sprache, erhalten eine Sondergebühr für den Versand ins Ausland, weil sie zur Verbreitung der französischen Kultur in der ganzen Welt beitragen. Mit diesem Programm kostet der Versand eines Buches in die USA nur ca. 5 statt 20 Euro. Auf diese Weise können wir in die ganze Welt versenden. Aber sollte das Programm eines Tages eingestellt werden, müssen wir unsere ganze Distribution überdenken.

Wir kümmern uns selbst um den Vertrieb. Wir brauchen ungefähr zwei Wochen, um Pakete für ­dreissig Geschäfte in der ganzen Welt vorzubereiten, die unsere ­Bücher führen. Mit dem Versand dieser grossen und ­schweren ­Pakete verlieren wir Geld, weil wir nicht die ­gesamte Gebühr ­weiterverrechnen können.

Aber wir sehen keine andere Möglichkeit, das zu tun. Würden wir mit einem Vertrieb zusammenarbeiten, müssten unsere Bücher viel teurer sein. Und wir versuchen, den Preis so günstig wie möglich zu halten. Abgesehen vom Offsetdruck, erledigen wir alle Arbeit selbst, und können so unsere Produktionskosten niedrig halten.»

Séverine Bascouert
Lagon
Gespräch 1, 00:22:33

«Wir machen den Vertrieb selbst. Aber wir brauchen dazu nicht zwei Wochen, sondern nur einen halben Tag. Ein Teil des Teams
versammelt sich um den grossen Tisch und steckt Strapazin für die Abonnent*innen in Umschläge. Es ist sehr einfach — nicht nur, weil Strapazin immer gleich gross ist, sondern auch, weil wir das schon seit dreissig Jahren so machen. Und es macht Spass!

Wenn es darum geht, Kopien zu den Geschäften in Zürich zu bringen, mache ich das selbst mit dem Fahrrad. So treffe ich die Besitzer*innen oder die Leute, die in den Läden arbeiten, und komme mit ihnen ins Gespräch, was wir für wichtig halten.»

David Basler
Strapazin
Gespräch 1, 00:24:52

 
 

Strapazin

Strapazin wurde 1984 in München (D) von 17 Herausgeber*innen gegründet und ist das deutschsprachige Forum für neue Strömungen in der internationalen Comic-Szene. Strapazin erscheint viermal jährlich und veröffentlicht Comic-Geschichten von Zeichner*innen aus der ganzen Welt.

strapazin.ch
@strapazin

 
«Der Hauptgrund, warum wir keinen globalen Vertrieb haben, ist die Sprache: Wenn Zeitschriften oder Bücher in der ganzen Welt vertrieben werden sollen, müssen sie auf Englisch veröffentlicht werden.

Innerhalb des deutschen Sprachraums hingegegen, spielen nationale Grenzen keine Rolle.

Was wichtig ist, ist der Kulturraum: Deutschland, ein Teil der Schweiz und Österreich. Strapazin wird hauptsächlich in diesen Ländern vertrieben. Aber wir haben die gleichen Probleme mit den Versandkosten wie andere Verlage auch. Das ist so schwierig wie für alle, die mit Drucksachen zu tun haben. Wir haben viele Abonnent*innen im Ausland — z.B. in Amerika oder Asien —, können aber nicht die tatsächlichen Versandkosten in ­Rechnung stellen, weil das niemand bezahlen würde.»

David Basler
Strapazin
Gespräch 1, 00:17:17

«Die Versandkosten sind das Erste, was uns beschäftigt, wenn wir ein neues Buch planen. Und das beeinflusst unsere Entscheidungen über die Form und das Gewicht des Buches. Für die letzte Ausgabe verschicken wir das Buch offen: In Frankreich ist der Versand von Paketen, die dicker als 3 cm sind, viel teurer als dünnere Pakete. Wenn wir das Buch offen verschicken, müssen wir uns darüber keine Gedanken machen.

Ich denke, wenn der französische Postdienst nicht so schwierig und teuer wäre, würden unsere Bücher anders aussehen.»

Séverine Bascouert
Lagon
Gespräch 1, 00:14:35

«Wir begannen mit dem Format B5 — das entspricht der Grösse von Superhelden-Comics. Am Anfang haben wir unsere Publikationen in Lettland kostenlos verteilt. Wir planten, uns rein durch Werbung zu finanzieren, aber nach zwei Ausgaben zeigte sich, dass wir nicht genug Inserent*innen haben würden. Dann fingen wir an, mit einer Distribution zu arbeiten und erreichten dadurch alle Kioske in Lettland. Es war allerdings eine schwierige Zusammenarbeit: Die Verantwortlichen bei der Distribution dachten, Comics seien nur etwas für Kinder. In der Konsequenz wirkten unsere Comics auf sie pornografisch und gewalttätig. Die Distribution hat nach vier Jahren aufgehört, unsere Publikationen zu vertreiben und wir sind beinahe eingegangen. Wir haben sogar eine Beerdigungsfeier für kuš! organisiert! Dann haben wir etwas Geld bekommen — nicht sehr viel, aber genug, um ein winziges Magazin zu produzieren: mini kuš! war geboren. mini kuš! erschien auf Englisch und wir vertrieben es auch ausserhalb Lettlands. […] Schliesslich bekamen wir Geld von der Regierung, und mit diesem Geld konnten wir uns einen besseren Druck leisten und so haben wir es zum dickeren Format der Anthologie geschafft.

Es war also ein Zufallstreffer: Wir hatten kein Geld, keinen ­Vertrieb und haben einfach das Billigste gemacht, was möglich war. Und es war erfolgreich, es hat total funktioniert. Es hat uns geholfen, uns selbst zu vertreiben, denn so kleine Bücher lassen sich ­leichter verschicken oder zu Comic-­Festivals mitnehmen.»

David Schilter
kuš!
Gespräch 2, 00:41:18

 
 

kuš!

kuš! wurde 2007 in Riga, Lettland, von David Schilter, Zane Zajankauska und Sanita Muižniece gegründet und heute von David Schilter geleitet. kuš! ist ein Comicverlag, der vor allem für seine charakteristischen Anthologien im Taschenformat und seine mini kuš!-Serien bekannt ist, die beide die Arbeiten von lettischen und internationalen Künstler*innen präsentieren und sich in jeder Ausgabe um ein bestimmtes Thema drehen. Ziel von kuš! ist es, Comics in einem Land zu popularisieren, in dem es dieses Medium praktisch nicht gibt, und lettische Comics im Ausland zu fördern. kuš! veröffentlicht nicht nur gedruckte Comics, sondern organisiert auch Ausstellungen, Workshops, Residencies, Comic Jams und andere Veranstaltungen zum Thema Comic und reist zu internationalen Festivals, um sein globales Comic-Netzwerk zu erweitern.

komikss.lv
@kushkomikss

 
«Ich bin ein autodidaktischer Redaktor und Verleger. Als ich anfing, habe ich die Dinge so gemacht, wie sie gemacht werden sollten: Offsetdruck und grosse Auflagen, etwa 1000 oder 2000 Exemplare. Aber das war kein gutes Geschäft für mich. In den letzten Jahren wurde der Digitaldruck in Argentinien zunehmend verfügbar. Das ermöglichte es mir, kleinere Auflagen — etwa 200 oder 300 Exemplare — zu einem erschwinglichen Preis zu drucken. Das hat meine Herangehensweise an das Verlegen wirklich verändert: Ich konnte mehr experimentieren, weil ich nicht mehr so viel investieren musste.

Das war ein grosser Schritt für Musaraña. Und für mich als ­Verleger brachte es eine ganz neue Freiheit. Es war einfacher, Risiken einzugehen, und so wurde ich mutiger. Das hat mir und dem Verlag geholfen, zu wachsen und zu lernen.»

Alejandro Bidegaray
Musaraña Editora
Gespräch 1, 00:07:38

«Die grafische Gestaltung ist ein wesentlicher Bestandteil der Identität der neuen Generation der Edition Moderne. Das kommt daher, dass zwei der drei Mitglieder des Teams Grafikdesigner*innen sind und wir somit unsere Bücher selbst gestalten können. Wenn es darum geht, über die Materialität und das Aussehen der Bücher nachzudenken und darüber, wie Form und Inhalt miteinander verwoben sind, besprechen wir alles gemeinsam. Viele Verlage arbeiten mit externen Designer*innen zusammen, deren einzige Aufgabe es ist, das Buch zu gestalten.

In unserem Fall ist das Grafik­design untrennbar mit uns verbunden — insbesondere wenn es sich um eine Originalfassung eines ­Buches handelt. Für uns ist es wichtig, dass jedes Buch dieses individuelle Gefühl vermittelt, dass es anders ist als alle anderen.

Anders als bei der ersten Generation der Edition Moderne ziehen wir es vor, keine Serien zu haben. Also kein gleiches Format, kein gleiches Papier, keine Corporate Identity für unsere Bücher. Der Inhalt, die Geschichte und die Form sind untrennbar miteinander verbunden, und das ist absolut wichtig. Das macht uns aus. Und zwar nicht nur wegen des Objekts, sondern auch, weil wir es total gerne machen. Der Austausch mit unseren Autor*innen darüber, wie sie sich ihre Bücher vorstellen, ist wirklich wichtig und wertvoll.»

Marie-France Lombardo
Edition Moderne
Gespräch 2, 00:29:33

«Bei Fantagraphics hat man das Gefühl, dass es sich um ein kleines Team handelt, obwohl eine Menge Leute für das Unternehmen ­arbeiten. Ich denke, einer der Haupt­unterschiede zu vielen ­anderen Verlagen ist, dass eine Struktur wie die unsere es uns erlaubt, spezifischere Rollen zu haben. Wir haben Leute, die nur als Designer*innen arbeiten, oder ­jemanden, dessen einzige Aufgabe es ist, mit Druckereien zu sprechen und nach Papier und Farbe zu suchen.

Als ich anfing, dachte ich, die Aufgabe der Redakteur-
*innen sei nur der Text. Aber mit jedem Projekt realisiere ich mehr, wie es darum geht, das Buch ganzheitlich zu betrachten: als eine Geschichte, als ein Objekt und so weiter. Ich versuche stetig, in allen Bereichen Neues zu lernen. […] Ich mag die Vorstellung, dass man mit einem Buch ein kleines Haus baut, wie Johanna sagte (Colorama → S. 4). Es gibt zum Beispiel die Innenseiten, die wirklich wichtig sind, aber das Cover ist das, worauf die Leute und die Medien am meisten schauen. Das Cover ist das, was man den Verkäufer*innen, den Buchhandlungen, der Presse usw. schickt, also muss man sich wirklich überlegen, welche Bilder die Leute sofort ansprechen.. Wenn man fünf oder sechs Bücher in einer Saison hat, muss man sich Gedanken über das Wesentliche eines jeden Buches machen: Wo ist der Aufhänger?.»

Conrad Groth
Fantagraphics
Gespräch 2, 01:01:50

«Wir interessieren uns für die ­grafische Gestaltung von Comics, weil dieses Feld von Designer*innen nicht so sehr ­bespielt wird. Im Comicbereich entwerfen viele Künstler*innen ihre Bücher selbst. Lange Zeit ­waren Grafikdesign, Typo­grafie, Papiere usw. nicht so wichtige Aspekte. Aber zum Glück hat sich das in letzter Zeit sehr verändert.»

Jean-Philippe Bretin
Lagon
Gespräch 1, 00:55:48

 
 

Musaraña Editora

Musaraña Editora wurde 2013 von Alejandro Bidegaray gegründet und wird heute von Alejandro Bidegaray und Julia Bustos geleitet. Musaraña Editora veröffentlicht Graphic Novels und Comics für Erwachsene und Kinder von argentinischen und internationalen Künstler*innen. Der Verlag ist nur eine von zwei Säulen des Musaraña-Projekts: Die andere Hälfte ist Musaraña Libros, eine Buchhandlung in Florida, Buenos Aires, die 2022 von der Feria de Editores zur besten Buchhandlung Argentiniens gewählt wurde.

musaranalibros2.mitiendanube.com
@musaranialibros

 
«Was die Ökonomie von Comics betrifft, so macht sie nicht wirklich Sinn. Wenn man über die Arbeit nachdenkt, die in einem Buch steckt, das vielleicht über Jahre erarbeitet wurde, und dann den Ladenpreis sieht, wird dieser zu einer ziemlich seltsamen Zahl. Es ist schwierig, es anders zu ­machen, weil der Kapitalismus so funktioniert. Ich fürchte, man wird nie in der Lage sein, die Künstler*innen für ihre Arbeit ­angemessen zu entschädigen, das ist eine Art unmögliche ­Aufgabe.»

Conrad Groth
Fantagraphics
Gespräch 2, 01:24:23

«In der mini kuš!-Reihe haben wir mehr als hundert verschiedene Titel von bekannten und unbekannten Künstler*innen gedruckt. Wir zahlen allen das Gleiche und im Voraus. Wir halten das für fair und es ist sinnvoll, die Risiken zu teilen: Wir lieben alle Bücher, die wir veröffentlichen, auch wenn sie sich nicht so gut verkaufen. Und wir können uns das leisten, weil unsere Druckkosten niedrig sind und weil die grossen Namen manchmal helfen, die weniger bekannten zu tragen. Auch wenn es ein paar gute Verkaufsschlager von unbekannten Künstlern gibt, die nachgedruckt werden mussten. Bei jedem Nachdruck bezahlen wir die Künstler*innen erneut. […]

Bei den Anthologien ist das anders. Da gibt es viele Mitwirkende und wir können es uns nicht leisten, allen so viel zu zahlen, wie wir es gerne würden. Wenn wir keine Finanzierung haben, zahlen wir allen Künstler*innen ein symbolisches Honorar und sie erhalten jeweils zehn Exemplare der Anthologie.

Eine weitere Motivation für die Bezahlung im Voraus ist, dass ich zu faul bin, ständig zu ­zählen, wie viele Bücher ich verkaufe.»

David Schilter
kuš!
Gespräch 2, 01:13:27

«Ich kann den Künstler*innen nicht das gesamte Honorar im Voraus zahlen, also mache ich es in drei Raten: eine bei Erscheinen des Buches, eine ein halbes Jahr später und die letzte ein Jahr danach. Bei den Clubhouse-Anthologien bezahlten die Künstler*innen anfangs ihre Tickets, um nach Berlin zu kommen. Also haben ich und Aisha Franz, die mit mir die Clubhaus-Residency organisiert, uns erfolgreich um Finanzierung bemüht. Je mehr Geld Clubhouse bekam, desto mehr Geld bekamen auch die Künstler*innen. In diesem Jahr konnten wir die Kosten für Reise, Unterkunft und Verpflegung übernehmen, und die Künstler*innen erhielten ausserdem ein Honorar für ihre Beiträge. Wir halten das für richtig und eigentlich auch für die einzige Möglichkeit: Die meisten Künstler*innen können es sich nicht leisten, zwei Wochen von zu Hause weg zu sein und zu arbeiten, wenn sie kein Geld verdienen. Aisha und ich haben beschlossen, dass wir Clubhouse nicht mehr durchführen, wenn wir nicht genug Geld bekommen, Honorar und Spesen für alle zu bezahlen. Auch wenn viele Künstler*innen für die Teilnahme an der Residenz und der Anthologie bezahlen würden, weil sie von der Erfahrung und der Sichtbarkeit profitieren, halten wir das nicht für fair und ziehen es vor, diesen Weg nicht zu gehen.

Ich denke, dass ein Verlag manchmal die Entscheidung treffen muss, eine bestimmte Sache nicht zu tun.»

Johanna Maierski
Colorama
Gespräch 2, 01:20:36

«Die Edition Moderne hatte ein doppeltes System. Einerseits gibt es in der Verlagswelt eine häufige Praxis, wie man seine Autor*innen bezahlt, die auch in der ­Edition Moderne zur Anwendung kam. Auf der anderen Seite gab es die Realität: Oft erhielten diejenigen, mit mehr Verhandlungsgeschick, auch bessere Konditionen. Das wollten wir ändern.

Wir wollten es für alle, die mit uns arbeiten, fairer machen und den gleichen Vertrag für alle neuen Autor*innen haben. Seit 2023 ­haben wir einen Basisvertrag mit der Schweizer Gewerkschaft ­syndicom, in dem wir uns auf ­minimale ­Bedingungen für alle Parteien ­geeinigt haben.

[…] Wenn zum Beispiel ein Buch wirklich gut läuft, dann wird der Anteil, den Autor*innen von den Verkäufen erhalten, proportional grösser: für die ersten 1000 Exemplare 5 %, von 1001 bis 6000 10 %, und so weiter bis zu 13 % und 15 %. Wenn wir einen Bestseller landen, sollen auch die Autor*innen profitieren.»

Marie-France Lombardo
Edition Moderne
Gespräch 2, 01:25:42

 
 
 
BIOGRAFIEN

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Aisha Franz
Bei Colorama ist von Aisha Franz u.a. Where is Aisha? erschienen. Ihr neuestes Buch Work-Life Balance (Reprodukt) wurde 2022 mit dem Max-und-Moritz-Preis als bestes Album ausgezeichnet. Gemeinsam mit Johanna Maierski verantwortet sie das Residency- und Publikationsprojekt Colorama Clubhouse.
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*1984 in Fürth,
lebt in Berlin, Deutschland
@aishathesheriff

 
 
Lina Ehrentraut
In der Edition Moderne ist von Lina Ehrentraut Melek + ich erschienen, das am internatinonalen Comic-Salon Erlangen mit dem Max-und-Moritz-Preis 2022 als bestes deutschsprachiges Comic-Début ausgezeichnet wurde. Lina Ehrentraut ist Teil des Kollektivs Sqash! und des Organistaionskomitees des Comic-Festivals Snail Eye in Leipzig.
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*1993 in Neuss,
lebt in Leipzig, Deutschland
linaehrentraut.de
@linaehrentraut

 
 
Noah Van Sciver
Von Noah Van Sciver ist bei Fantagraphics u.a. die Reihe Fante Bukowski erschienen. Er wurde vielfach ausgezeichnet (Ignatz Award) und publiziert (Best American Comics, Mad Magazine und der Fantagraphics-Anthologieserie NOW).
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*1984 in New Jersey,
lebt in Columbia, USA
@noahvscomics

 
 
Victoria Rodríguez
Victoria Rodríguez hat schon mehrfach in femiñetas veröffentlicht und publiziert seit 2014 ausserdem Arbeiten im Eigenverlag. Sie gründete diverse Künstler*innen-Kollektive mit (Festival Furioso de Dibujo und Cuadrilla Feminista in Rosario und FlameZine in Berlin).
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*1989 in Rosario, Argentinien,
lebt in Berlin, Deutschland
@mvictoria.rodriguez

 
 
Louka Butzbach
Louka Butzbach hat mehrfach in ­Lagon publiziert und wurde bereits auf Englisch (Breakdown Press) und Spanisch (Fulgencio Pimentel) verlegt. Louka Butzbach ist eine der prägenden Figuren der aktuellen europäischen Underground-Grafikszene und verlegt seit mehr als einem Jahrzehnt Fanzines im Selbstverlag.
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*1982 in Fontenay-sous-Bois,
lebt in Marseille, Frankreich
@loukabutzbach

 
 
Nicolas Mahler
Nicolas Mahler veröffentlicht seine Bücher auf Deutsch, Englisch und Französisch. Sie erscheinen bei Suhrkamp, Reprodukt, Luftschacht und Edition Moderne. 2010 wurde er am internationalen Comicsalon Erlangen mit dem Max-und-Moritz-Preis 2010 als bester deutschsprachiger Comic-Künstler und 2015 mit dem Preis der Literaturhäuser ausgezeichnet.
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*1969 in Wien,
lebt in Wien, Österreich
mahlermuseum.com
@mahlermuseum

 
 
Zane Zlemeša
Zane Zlemešas Comics werden in der Comic-Anthologie š! sowie in anderen internationalen Publikationen veröffentlicht. Sie studierte Druckgrafik an der Kunstakademie Lettlands und Illustration an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.
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*1988 in Bauska, Lettland,
lebt in Berlin, Deutschland
@zlemesa.zane

 
 
Júlia Barata
Júlia Barata hat mehrere Bücher in Portugal und Argentinien veröffentlicht, u. a. Familia 2022 (verlegt von Musaraña Editora und Editorial ­Sigilo). Sie war ausserdem Teil von El volcán. Un presente de la historieta latinoamericana, einer Anthologie über lateinamerikanische Comics (Musaraña Editora und EMR) und von Historieta LGBTI, der ersten LGBTQIA+ Comic-Anthologie in Argentinien (EMR). Júlia Barata lebte zwischen Maputo, Porto, Lissabon, Rotterdam und Barcelona, bis sie sich 2013 in Buenos Aires niederliess. In Zusammenarbeit mit Clara Lagos führte sie in Buenos Aires 2019 bis 2022 Mesa, eine Galerie und einen Lernort für Zeichnung und Illustration.
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*1981 in Coimbra, Portugal,
lebt in Buenos Aires, Argentinien
@julia_barata