WHO CARES

September 2, 2026 | | No Comments

CHF 20.00

Aisha Franz
Lee Lai
Liana Finck
Alice Socal
KC Counselor
Pia Bramley
Yitong Feng
Joris Bas Backer
Sheree Domingo
Noémie Fatio
Wanda Dufner
Ulrike Steinke
Yara Jakops
OPEN CALL:
Hannah Loewen


Beschreibung

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Who cares ?


Wieso ein Heft nur mit FLINTA*-Personen zum Thema Erziehungsarbeit, das anscheinend «(…) die Hälfte der Leser*innenschaft ausschliesst»?
Für Sichtbarkeit und weil es alle Personen betrifft, unab-hängig davon, ob sie selbst Kinder haben, FLINTA*-Personen mit Sorgeverantwortung sind oder einen Uterus haben.
Deshalb bin ich froh, dass es dieses Heft geschafft hat zu existieren. Als Plattform und Anstoss, sich mit gesell-schaftlicher Verantwortung und kollektiven Aufgaben ausserhalb tradierter Rollen auseinanderzusetzen.
Tausend Dank dabei an alle Unterstützer*innen innerhalb und ausserhalb der Redaktion, aber vor allem den Beitragenden, die dieses Heft überhaupt möglich gemacht haben. Danke für eure Gedanken, eure Erfahrungen, eure Perspektiven und eure Bereitschaft, euch darauf einzulassen.
Die Geschichten haben mich sehr berührt, mich zum Lachen gebracht, mir Einblick gewährt und Neues gezeigt.
So ist eine Bandbreite an Geschichten von Elternteilen und Nicht-Eltern zusammengekommen, die mit eigener Stimme
und Stil unterschiedliche Aspekte der Thematik beleuchten.
Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen, die vorliegenden 80 Seiten sind hoffentlich ein Beitrag und Ausgangspunkt
für vieles Kommende.
Die grösste Überraschung bei der Arbeit an diesem Heft, war für mich, die ich keine Verantwortung für Kinder trage, die Kontroversität des Themas «Elternschaft aus FLINTA*-Perspektive».
Dieses Thema sei «nicht gerade prickelnd für ein Strapazin-Heft und die langjährige Strapazin-Erfahrung zeigt, dass solche ‹Themen›-Hefte nicht immer gut gelingen – auch wenn sie gut gemeint sind.»
Weil wir ein basisdemokratisches Redaktionskollektiv sind, zeigen sich gesellschaftliche Diskurse auch innerhalb unserer Reihen. Und so wurde gestritten, gewütet und diskutiert – und trotzdem gemacht.
Jetzt müssen sich meine Redaktionskolleg*innen damit abfinden, dass es nicht nur lustige Geschichten über Väter und Mütter gibt, sondern Elternschaft und Sorgearbeit schon lange in queerfeministischen Diskursen komplexer verhandelt wird und sich das auch in Comics zeigt.
Zumindest aus meiner Sicht wurde der Vorschlag «einfach gute, lustige, spannende Geschichten zum Thema Elternschaft an(zu)fordern», mehr als erfüllt.
Also viel Spass mit diesem Heft und danke an alle Lesenden. Holt euch ein Abo, damit wir uns auch in Zukunft über Themen streiten und trotzdem Hefte dazu machen können.

Amelie Lihl

PFLICHT LEKTüRE


Nele Jongeling: «Ich will nicht arbeiten»

Projekt Traumjob

Lifestyle-Teilzeit, Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Job und Familie – die 1996 geborene Düsseldorfer Künstlerin Nele Jongeling widmet sich in ihrem neuen Comic Ich will nicht arbeiten den aktuellen politischen Schlagworten im Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt. Jongeling schickt ihre Hauptfigur Edith Feder, von der sie sagt, dass viel Autobiografisches in ihr stecke, in das «Projekt Traumjob» des fiktiven Bundesbüros für Beruf. Fünf Teilnehmende diverser Herkunft sollen sich in verschiedenen Herausforderungen beweisen: Neben der Protagonistin, die eine Art Schnabel im Gesicht trägt, sind da noch Frau Wilke mit Hasenohren, Herr Bao mit Hörnchen sowie Frau Yilmaz mit Katzenohren und Herr Schulte mit Hundekopf. Wer sich am besten schlägt, kann am Ende ihren bzw. seinen Traumjob gewinnen (den das Bundesbüro für sie ausgewählt hat). Projektleiterin ist die Gewichte stemmende Ansagerin Britta Meyer; begleitet werden die Teilnehmenden in Einzelinterviews durch die «Business-Journalistin» Dr. Freude, die ausserdem die begleitende TV-Show moderiert. In einem solchen Gespräch vor der Kamera gesteht Edith Feder: «Ich will nicht arbeiten». Ein ständiges Gefühl der Überforderung sei die Ursache und rufe zugleich lähmende Schuldgefühle hervor. Edith Feder reibt sich auf an inneren Konflikten zwischen psychischer Erschöpfung und den hohen Ansprüchen an sich selbst. Nele Jongeling, die an der Luca School of Arts in Brüssel studiert hat, zeichnet mit klarer Linie, reduzierten Farbflächen und abwechslungsreicher Seitenaufteilung. Ihre Zeichnungen bringen die Dynamik des Projekts, die sich vor allem im Inneren der Figuren abspielt, in eine sichtbare Form: Perspektiven verschieben sich bedrohlich, Wände wachsen in beklemmende Höhen. Ediths biegsamer Körper vollführt eine Vielzahl von Yoga-artigen Figuren, bleibt aber immer in kleinen Rahmen eingesperrt, ohne sich Raum zur Entfaltung zu nehmen. Beim Familientreffen zieht sich Ediths Hals in die Länge und schlängelt sich weit nach oben über den Esstisch, bis sie plötzlich auf die TV-Sendung zum «Projekt Traumjob» angesprochen wird und wieder an der Unterhaltung teilnimmt. Thematisch hätte Ich will nicht arbeiten zu einer Nabelschau geraten können. Aber die Geschichte ist grafisch so gut umgesetzt, dass sie schon darum eine gelungene Lektüre bietet.

Barbara Buchholz

Nele Jongeling: «Ich will nicht arbeiten».
Reprodukt, 304 S.,
Hardcover, farbig, CHF 40 / EUR 29

Jeong-In Mun: «Langer Atem»

Die Taucherinnen von Jeju

Eine filigran gemusterte Libelle fliegt durch das Panel. In den folgenden Bildern verwandelt sich die Libelle in den Körper einer Taucherin, die kopfüber in ein Meer aus hauchdünnen neben- und übereinander gesetzter Schraffierungen springt. Das Panel in der Mitte der Seite zeigt ein verträumt aus dem Fenster blickendes Schulmädchen mit schwarzen Haaren, dessen Pult mit genau den gleichen Schraffierungen versehen ist. Die Anordnung der einzelnen Bilder macht klar: Mit der Libelle vor dem Fenster assoziiert das Mädchen ihre Mutter, die gerade jetzt im Meer taucht. Das ist nur eine von vielen gelungenen Seiten in dem Comic Langer Atem von Jeong-In Mun (aus dem Koreanischen übersetzt von Sera Kuk), die zeigen, wie leichtfüssig das Erzählen mit Bilderfolgen funktionieren kann. Die in Frankreich lebende Südkoreanerin hat in ihrem ersten langen Comic das Leben ihrer Grossmutter Chunja nachgezeichnet, die alleinerziehend drei Kinder versorgen musste. Das tat sie als eine von vielen Haenyeo-Taucherinnen, die bis heute ohne Sauerstoffflaschen vor der Küste der Insel Jeju Meeresfrüchte in der Tiefe ernten. Ein hartes Geschäft, dem Chunjas Enkelin in ästhetischen Formen und Schwarzweiss-Kontrasten ein poetisches Denkmal setzt, ohne die Härte und Gefahr zu leugnen. Mun zeichnet – vorzugsweise mit schwarzem Füller – auch die Geschichte dreier Generationen von Frauen: Das Schulmädchen mit der Libelle ist die Mutter der Künstlerin, eines der drei Kinder, die dank der Apnoe-Tauchgänge etwas Reis auf dem Tisch hatten (der Vater hatte die Familie verlassen – überhaupt spielen Männer kaum eine Rolle in diesem Comic). Jeong-In Mun zeichnet sich auch selbst, bei Besuchen in ihrer Heimat bei ihrer Oma, die vielerlei Gerichte mit Meeresfrüchten zubereitet. Chunja ist heute 86 Jahre alt und unternimmt immer noch Tauchgänge – nur fährt sie inzwischen nicht mehr mit dem Fahrrad zum Meer, sondern mit dem Motorroller. Die Grossmutter hat der Enkelin die Liebe zum Meer von Jeju mitgegeben, die einfliesst in einen grafisch umwerfend schönen und poetisch erzählten Comic über eine Familiengeschichte und über eine von Frauen bestimmte Tradition, die übrigens auch zum imma­teriellen UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Barbara Buchholz

Jeong-In Mun: «Langer Atem».
Rotopol, 220 S., Hardcover,
farbig, CHF 38 / EUR 28

Isabelle Maroger: «Lebensborn»

Die «Kinderfabriken» der Nazis

«Während in Lagern Juden ermordet wurden, kamen in skandinavischen Nazi-Entbindungsheimen Arier zur Welt», erklärt im Jahr 1993 die Geschichtslehrerin an einem Gymnasium in Nîmes der Jugendlichen Isabelle Maroger. Diese Entbindungsheime nannte man ‹Lebensborn› – Leben + Born = Brunnen/Quelle auf Althochdeutsch. Ein hübsches Wort, um Abscheuliches zu kaschieren.» Dieses Abscheuliche hatte viele Facetten, dahinter stand die Idee Heinrich Himmlers, die Geburtenrate im Sinne der nationalsozialistischen Rassenideologie zu steigern. Die «Züchtung» eines «Adels der Zukunft» war das Ziel des als Verein organisierten Lebensborn e.V., der ab 1936 zahlreiche Entbindungsheime in Deutschland, Polen, Belgien und Norwegen betrieb. Dort konnten einerseits Frauen, die für sich und den Vater ihres ungeborenen Kindes einen sogenannten Ariernachweis vorlegten, uneheliche Kinder zur Welt bringen – so sollte Schwangerschaftsabbrüchen vorgebeugt werden. Andererseits wurden ab 1942 in diesen Heimen auch aus besetzten Ländern entführte Kinder untergebracht, die «arisch», also blond und blauäugig waren, um von deutschen Familien adoptiert zu werden. Die Heime im europäischen Ausland hatten noch eine weitere Funktion: Hier wurde bewusst ein Raum geschaffen, gemeinsame Kinder von Wehrmachtssoldaten und einheimischen Frauen zu ermöglichen. «So sollten arische Kinder gezeugt und dem Reich zugeführt werden», heisst es im Comic.
Als Isabelle Maroger ihre Mutter 1993 nach der Geschichtsstunde mit ihrem neuen historischen Wissen konfrontiert, reagiert diese mit Abwehr. Sie wurde 1944 in Norwegen geboren und kurz nach dem Krieg in Frankreich adoptiert, mehr weiss sie zu diesem Zeitpunkt nicht über ihre Herkunft. In Lebensborn nähert sich Isabelle Maroger langsam den Leerstellen im Leben ihrer Mutter Katherine an, die nach dem Tod ihrer Adoptivmutter 1998 zunächst zaghaft beginnt, nach ihrer Herkunftsfamilie zu suchen. Schnell findet sie heraus, dass sie im «Lebensbornheim Hurdal Verk» nahe Oslo geboren wurde, einen deutschen Vater hatte, der als Besatzungssoldat in Norwegen stationiert war, und dass die Möglichkeit besteht, Verwandte ihrer Mutter kennenzulernen. In behutsamen Bildern zeigt Isabelle Maroger die Begegnung ihrer Mutter mit den zwei Halbgeschwistern Arne und Lisbeth sowie ihrer Tante Carrie in Norwegen, die die Lücken ihrer Herkunft mit Leben füllen können; Tante Carries Mutter Gerda selbst hat sich 1989 das Leben genommen, sie litt unter starken Depressionen. 2004 trifft Katherine schliesslich auch ihren Vater Paul, der in Düsseldorf lebt, zu dem sich allerdings keine Nähe aufbauen lässt. «Am Ende weinten wir alle, trockneten unsere Tränen – und haben uns danach nie wiedergesehen.» Und so schliesst Isabelle Maroger mit Lebensborn zwei Lücken: Zum einen die historische Lücke des nur wenig bekannten Vereins und zum anderen auf der ganz persönlichen Ebene die Lücken der eigenen Herkunft. «Um die eigenen Wurzeln zu wissen, gibt Kraft, besser zu wachsen», heisst es im Comic, «aber auch die Freiheit, sich davon zu lösen und nach vorne zu schauen.»

Jonas Engelmann

Isabelle Maroger: «Lebensborn»,
Helvetiq, 224 S., Softcover,
farbig, CHF 29.90 / EUR 22


Alison Bechdel: «Kaputt»

Alison Bechdels bittersüsse Soap

Eigentlich plante Alison Bechdel eine neue autobiografische Graphic Novel über Geld und Kapitalismus. Als sie aber merkte, dass sie null Bock auf etwas so Ernsthaftes hatte, erzählte sie lieber die Geschichte einer fiktiven Comic-Autorin namens – Alison Bechdel, die einen Essay über Geld und Kapitalismus zeichnen will. Daraus wurde Kaputt, eine amüsante satirische Autofiktion.
Wie die echte lebt auch die fiktionale Alison im ländlichen Vermont; alles andere ist aber erfunden: Die fiktionale Alison führt einen Gnadenhof für Zwergziegen, sie hadert mit ihrem neuen Projekt und der Verfilmung ihrer erfolgreichen Graphic Novel Tod und Taxidermie [sic!], und sie ist zunehmend neidisch auf den Erfolg ihrer Partnerin Holly als alternative Social-Media-Influencerin. Und dann sind da noch ihre Freundinnen und Freunde, eine liberale, feministische, mehrheitlich queere Gemeinschaft. Das Spezielle daran? Es sind die gealterten Figuren aus ihrem Comic-Strip Dykes to Watch Out For. So verwischt Bechdel die Grenzen zwischen Fiktion und echtem Leben noch zusätzlich.
Während Bechdels frühere Graphic Novels wie Fun Home streng und kopflastig sind, liest sich Kaputt wie eine muntere Soap Opera. Bechdel spricht zwar grosse Themen an – Kunst, Konsum, Kapitalismus, alternative Lebensentwürfe, das Altern –, aber sie tut das leicht und beschwingt und in Zeichnungen, die ebenfalls leicht wirken und farbenfroh leuchten.
Jede Figur hat ihre Macken und Probleme, und ihre Storylines und Konflikte verknäueln sich zu einem bunten Kaleidoskop über das Leben von Linken, Queeren und Feministinnen in den gesellschaftlich gespaltenen USA. Bechdel karikiert diesen Alltag mit Ironie und Wärme, sie spottet über Spannungen, Unzulänglichkeiten, Ungereimtheiten, Widersprüche, sie amüsiert sich über das Ringen um Ideale und Werte, sie reflektiert aber auch die Privilegien dieser alternden Menschen aus der gehobenen Mittelklasse.
Kaputt ist ein kluges, bittersüsses Buch. Man lacht mit und über Bechdels Community; gleichzeitig weiss man, dass sie alles verkörpert, was Trump und Musk und Konsorten als «woke» bekämpfen – und plötzlich liest man Kaputt auch wie die selbstironische und leicht melancholisch grundierte Utopie einer vom Zeitgeist bedrohten Lebensweise.

Christian Gasser

Alison Bechdel: «Kaputt».
Aus dem Amerikanischen von Katharina Erben,
Reprodukt, 272 S., Hardcover, farbig,
CHF 36.90 / EUR 24

Erik Svetoft: «Weisser Volvo»

Ein grossartiger Trip

Es treten auf: CEOs, Bodyguards, Technikerinnen, Agenten, Fabrikarbeiterinnen, Spione, falsche Eltern, aber auch Menschen ohne Köpfe, Köpfe ohne Menschen und allerhand aus Albträumen oder Fantasy-Comics entsprungene Mutanten und Monster. Und Leichen, viele Leichen. Schauplätze sind: Städte, Autos, Bushaltestellen, Wälder und Fabrikhallen, in denen sich mysteriöse Dinge (aber auch Unfälle) abspielen, und die bisweilen in Flammen aufgehen. Wichtige Props sind: Ein Hut, ein weisser Volvo, viele Sonnenbrillen, eine winzige Pistole, Frühstückseier. Erzählt wird: Nun ja, was eigentlich? Handelt es sich bei Weisser Volvo um einen kapitalismuskritischen Thriller? Um eine verschwörungstheoretische Spionagestory? Um eine blutige Komödie? Um eine lakonische, schwarzhumorige Arthouse-Produktion? Um einen Albtraum?
Ich weiss es nicht.
Die Geschichte beginnt in einem Aufnahmestudio, trudelt in einen Albtraum, landet in einer Fabrik, plötzlich wird im Wald ein Grab ausgehoben. Dann schlängelt und windet sich der Plot vorwärts, streift und unterläuft unzählige Genre-Klischees und Anspielungen, manchmal hüpft er auch munter über jegliche Plausibilität hinweg, schlägt Haken und drängt sich durch erzählerische Ösen.
Vermutlich gibt es nur zwei Optionen: Man pfeffert Weisser Volvo nach 30 Seiten entnervt in die Ecke oder man verliert sich in diesem – so der Umschlagtext – gnadenlos absurden Thriller. Ich habe den zweiten Weg eingeschlagen und keine einzige der 336 Seiten bereut beziehungsweise jede einzelne dieser 336 Seiten genossen.
Erik Svetoft ist ein schwedischer Zeichner und Autor, der seit einem guten Dutzend Jahren Buch um Buch veröffentlicht. Mit seinem vorletzten, Spa, auf Deutsch ebenfalls bei Luftschacht erschienen, wurde er in Angoulême für einen Prix Alph’Art nominiert.
Visuell fällt Weisser Volvo dank Svetofts mit blauem Kugelschreiber ins Papier gekratzten Zeichnungen auf, die zwischen naiver Vereinfachung und wilder, detailversessener Strichorgien pendeln, zwischen Ligne claire, Underground und Art Brut. Diese Bildsprache schafft einen atmosphärischen Zwischenraum, in welchem sich seine bizarre Welt und seine abstruse Story entfalten können – ob man sie nun versteht oder nicht.
Das tut bei Weisser Volvo indes nichts zur Sache. Ich habe nix verstanden, aber es war ein grossartiger Trip.­

Christian Gasser

Erik Svetoft: «Weisser Volvo».
Aus dem Schwedischen von Andreas Donat,
Luftschacht, 336 S., Softcover, zweifarbig,
CHF 43.90 / EUR 30

Taha Siddiqui, Hubert Maury: «Dissident Club. Chronik der Flucht eines pakistanischen Journalisten vor Islamismus und Militär»

Dissident Club

Manche Begegnungen haben Folgen: Als Taha Siddiqui während seines Wirtschaftsstudiums beobachtet, wie ein Journalist den pakistanischen Premierminister kritisch interviewt, ahnt er nicht, dass dieser Moment sein Leben verändern wird: Siddiqui wird selbst einer der bekanntesten investigativen Journalisten Pakistans.
Seine Recherchen zu den Verflechtungen von Militär, Politik und islamistischem Extremismus erscheinen in internationalen Medien. 2014 erhält er mit französischen Kollegen einen wichtigen Preis für eine Dokumentation über die Gewalt und Desinformation, welche Polio-Impfkampagnen in Pakistan begleiten.
Aufgrund seiner Recherchen verschärft sich seine Situation in Pakistan. Nach einem Entführungsversuch flieht Taha Siddiqui 2018 nach Frankreich. Heute führt er in Paris eine Bar, den Dissident Club. Der Name steht für seinen Lebensweg: Er wird Dissident, weil er begann, Fragen zu stellen.
Der gemeinsam mit Hubert Maury verfasste Comic Dissident Club schildert diesen Weg von der Kindheit bis zum Neuanfang im Exil. Maury ist ein Partner auf Augenhöhe. Bevor er Comics zu zeichnen begann, war er Offizier und Diplomat; von 2005 bis 2008 arbeitete er in der französischen Botschaft in Pakistan und befasste sich mit sicherheitspolitischen Fragen. Reizvoll an dieser Konstellation ist, dass der Journalist selbst zum Interviewten wird.
Das Ergebnis überzeugt. Dissident Club verbindet eine persönliche Emanzipation mit politischer Reportage und Zeitgeschichte. Diese Kombination von politischem Bericht mit grafischem Bildungsroman unterscheidet den auf Deutsch von Alibri verlegten Band von Werken wie Persepolis, Der Araber der Zukunft oder Blankets. Leser*innen erhalten einen breiten Einblick in Alltag, Bildungswesen und Politik in Pakistan und Saudi-Arabien.
Maurys skizzenhafter Strich vermittelt glaubwürdig die sozialen und politischen Verhältnisse, die das Leben von Arbeitsmigranten zwischen Pakistan und Saudi-Arabien bestimmen. Besonders in dramatischen Episoden wie dem Attentat auf die Oppositionsführerin Benazir Bhutto im Jahr 2007 bewährt sich seine Zurückhaltung.
Die Autoren machen deutlich, wie Radikalisierung entsteht, ohne die Menschen, die unter diesen Verhältnissen leben, pauschal zu verurteilen. Das zeigt sich bei Siddiquis Familie: Die Entfremdung von den Eltern wird offen thematisiert, doch bleiben Liebe und Respekt bis zuletzt spürbar. Zugleich vermittelt der Comic Humor. Viele Episoden, etwa zur Geschlechtertrennung in Schulen, werden mit dem Witz des Kindes erzählt. Die Verbindung von Ernst, Empathie und leisem Humor macht Dissident Club zu einer ebenso persönlichen wie politischen Chronik. In einem bleiben die Autoren unmissverständlich: Pressefreiheit ist ein unverzichtbarer Wert.

Florian Meyer

Taha Siddiqui, Hubert Maury: «Dissident Club. Chronik der Flucht eines pakistanischen Journalisten vor Islamismus und Militär».
Alibri, 264 S.,
Softcover, farbig,
CHF 43 / EUR 32


Nicolas Debon: «La Montagne d’Encre»

Nichts als Natur!


In Nicolas Debons neuem Album La Montagne d’Encre (Der Berg der Tusche) erscheint auf 176 Seiten kein einziger Mensch; Handlung gibt es ebenfalls keine. Bild um Bild zeigt das Album nichts als Natur: frühlingshaft blühende, sommerlich leuchtende, herbstlich verfärbte, und winterlich vom Schnee überzogene Landschaften, meist Gebirge und Wälder, teils auch Tiere, häufig Vögel oder Schmetterlinge.
Von Menschenhand geschaffen sind hier allein die Zeichnungen und die Worte. Bilder und Texte folgen der inneren Stimme eines namenlosen Künstlers auf einer lebenslangen Wanderung durch die Natur. Die Landschaften halten Augenblicke und Stimmungen fest, in denen Naturbetrachtung und betrachtete Natur zusammenfinden. Ihre Erscheinung folgt jedoch keinem unmittelbar erkennbaren Muster des sequenziellen Erzählens.
La Montagne d’Encre ist ein stilles und beschauliches Album. Obwohl kaum etwas geschieht, laden die Bilder und ihre versöhnliche Stimmung zum Verweilen ein. Die Farben sind beeindruckend, ohne sich dem Blick aufzuzwingen. Die Texte wirken ruhig und bedächtig. Wer sich auf sie einlässt, vernimmt ihr Echo noch lange nach der Lektüre.
La Montagne d’Encre ist kein experimentelles Album. Die Seitengestaltung ist klassisch franko-belgisch mit Panels im rechten Winkel. Debon erfindet keine neue Bildsprache. Vielmehr erweitert er seine künstlerische Perspektive, indem er sich mit japanischer Haiku-Dichtung, ostasiatischer Landschaftsmalerei und Kalligrafie auseinandersetzt.
Dieser Tradition folgend, stellt der titelgebende Berg der Tusche eine künstlerische Wandlung dar: Strich, Bild und Gedicht sind Ausdruck einer Bewegung des Pinsels, die sich beim Malen oder Schreiben auf die Landschaft einstimmt. Der gemalte oder poetische Berg ist die sichtbare Spur dieser Annäherung des Künstlers an die Natur der Dinge.
Der Tintenberg steht für eine innere Reise und reflektiert die allmähliche Verwandlung des Sehens: Die Wanderungen durch Wälder und Berge, die Beobachtungen von Schnee, Wolken, Bäumen, Vögeln und Felsen verändern die Wahrnehmung, bis am Ende alles, sei es Punkt oder Linie, so lebendig ist wie die Natur selbst, und im Ich des Künstlers aufgeht.
La Montagne d’Encre mag weder Comic noch grafischer Roman sein, doch vielleicht schafft Nicolas Debon etwas Anderes: einen Schritt hin zu einer neuen visuellen Lyrik.

Florian Meyer

Nicolas Debon: «La Montagne d’Encre».
Dargaud 2026. 176 S.,
Hardcover, farbig, in französischer Sprache,
CHF 38 / EUR 24

Breinbauer: «Blutsauger»

Blut saugen in Wien

André Breinbauer erzählt uns eine Vampirgeschichte, die im Wien der Gegenwart spielt. Die alten Wiener Wohnhäuser, Gassen und Gasthäuser passen sehr gut zu Bram Stokers Geschichte, die ja schon häufig von England in andere Ortschaften umgesiedelt wurde, am populärsten wahrscheinlich 1922 von Friedrich Wilhelm Murnau in seinem Film Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens, wo der Graf, angezogen von der jungen Frau Ellen, aus Transsilvanien an die Ostsee ins fiktive Wisborg reist. In Wien ist es Hannah, die mit dem Grafen – hier nur Fürst genannt, so steht es auch auf dem Türschild – Bekanntschaft macht. Hannah hat erst vor kurzem den Mietvertrag ihrer Grossmutter übernommen. Die wohnt jetzt in einem Altenheim, während Hannah versucht, die Wohnung in dem etwas heruntergekommenen alten Mietshaus nach ihren Vorstellungen gemütlich einzurichten. Das gelingt auch ganz gut, doch jenseits der Wohnungstür fangen die Probleme an. Gegenüber wohnt besagter Fürst, der sich nur nachts blicken lässt. Die tratschsüchtige Frau Markovic, deren Hund kürzlich verstorben ist, verdächtigt den Herrn Fürst des Mordes an ihrem Hund. Und dann sind da noch der neue Hausverwalter Herr Huber und seine beiden fiesen Gesellen. Das Haus wurde kürzlich an die Firma Easy-Wohnen verkauft, und soll nun saniert werden. Herr Huber bietet nun Hannah und den anderen Bewohnern eine Abfindung an, damit sie aus dem Haus ausziehen. Angeblich zu ihrem Besten, weil die Sanierungsarbeiten laut und schmutzig würden. Hannah schlägt das Angebot aus, und nun werden vor allem die Tricks schmutzig, mit denen die Immobilienfirma versucht, die Mieter loszuwerden. Stromausfälle und fehlende Mülltonnen sind nur der Anfang …
André Breinbauers Fürst der Nacht ist unheimlich, keine Frage. Und Breinbauer hat es dramaturgisch wie auch zeichnerisch raus, den Spannungsbogen straff zu spannen. Ästhetisch bedient er sich bei den gängigen Dracula-Ikonografien, doch lässt er auch explizit Murnaus Nosferatu als Schatten über die Hauswände in den Gassen tänzeln. Zuvor haben Hannah und ihr bester Freund Markus auch schon eine Kinovorstellung von Nosferatu besucht. Nosferatus Antlitz erscheint also nicht ganz überraschend, passt aber inmitten des teils expressionistisch anmutenden Szenarios sehr effektvoll ins Bild. Wenn es dann zum Finale unter die Erde, in die Wiener Kanalisation, geht, fühlt man sich gleich an Der dritte Mann und Orson Welles im Wien der späten 40er-Jahre erinnert. Breinbauers Blutsauger – wer damit eigentlich gemeint ist, wird schnell klar – ist eine kurzweilig und raffiniert erzählte und visuell mit malerisch anmutenden Bildern sehr schön gestaltete Parabel.

Christian Meyer-Pröpstl

Breinbauer: «Blutsauger».
Carlsen, 248 S.,
Hardcover, farbig,
CHF 40 / EUR 28

Mia Oberländer: «Saloon – das ist Familiensache»

Showdown im Wohnzimmer

Ein Familienfest ist immer eine gute Ausgangslage für eine Geschichte, das ist bei Mia Öberländer (Anna) und ihrem neuen Comic Saloon – das ist Familiensache nicht anders. Oder doch: Es ist sehr anders! Saloon verlegt ein von der Mutter einberufenes Familienfest in eine abstrakte Western-Atmosphäre. Das Familienhaus steht einsam in der Wüste, drumherum nur weites Gelb. Wenn die Mutter ruft, ganz klar das alles bestimmende Familienoberhaupt, kommen sie alle – Kinder, Schwiegertöchter und Enkel. Die schüchterne – oder besser – eingeschüchterte Tochter wird permanent gedemütigt und gemassregelt. Der erste Sohn ist ein Angeber und Klugscheisser – das gefällt der Mutter noch am besten. Der zweite, sensible und wenig belastbare Sohn tritt buchstäblich als Schosshündchen in Erscheinung. Ab und zu schält sich auch seine menschliche Figur daraus hervor, wenn ihm in kurzen Momenten die Selbstermächtigung gelingt. Dann steht er tatsächlich als Mann da. Die Schwiegertochter ist dauerwütend und in der Defensive. Ihr hochroter, riesiger Kopf signalisiert Daueralarm. Bei so viel Neurosen fallen die Enkelkinder kaum noch ins Gewicht. Irgendwann eskaliert das genaustens geplante Familienfest. Und das liegt nicht nur daran, dass die Mutter aus nicht ersichtlichen Gründen auch noch die Kassiererin des örtlichen Supermarkts eingeladen hat. Vielleicht, um ein weiteres Opfer bei sich zu haben? Doch dann zieht einer der Gäste die Reissleine – plötzlich bricht die Aussenwelt in diese eingespielte Zeremonie familiärer Selbstzerfleischung herein. Oberländer bringt viel Sinn für das Skurrile in ihre Familiengeschichte, die eigentlich schonungslos schmerzhaft ist, jedoch in ihrer Abstraktion und der nicht nur psychischen, sondern auch physischen Deformation der Figuren dann doch viel Humor enthält.

Christian Meyer-Pröpstl

Mia Oberländer: «Saloon – das ist Familiensache».
Edition Moderne, 368 S.,
Hardcover, farbig,
CHF 39 / EUR 35


Anders Nilsen: «Tongues»

Die Geschichte der Menschheit (wird fortgesetzt!)

Tongues ist kein gewöhnlicher Comic im amerikanischen Format, sondern ein grosses, wunderschönes, vollfarbiges Kunstwerk: eher ein Künstlerbuch mit aufwendigem Design, sogar mit gestanzten Einlagen! Ich war sofort sowohl von der Ästhetik als auch von der Geschichte fasziniert, die die Leser*innen mitten ins Geschehen wirft – in eine vom Krieg zerrüttete Landschaft irgendwo in Zentralasien. Die erste Ausgabe stellt eine ungewöhnliche Gruppe von Charakteren vor: den mythischen Prometheus und den «Gefängniswärter»-Adler, der seine eigene Leber frisst; ein junges ostafrikanisches Mädchen, das eine kosmische Last zu tragen scheint und mit Vögeln sprechen kann; und einen verlorenen amerikanischen Slacker, der mit einem Teddybären auf dem Rücken eine staubige Strasse entlangwandert.
In den letzten sechs oder sieben Jahren hat Nilsen fünf weitere Ausgaben von Tongues veröffentlicht. Langjährige Leser*innen, die an seine minimalistischen und überwiegend schwarzweissen Werke gewöhnt sind, werden nicht nur von den üppig leuchtenden Farben überrascht sein, sondern auch vom detailreichen, fast schon barocken Seitendesign. Wie viele seiner Werke, darunter auch Big Questions, ist Tongues langsam erzählt, anspielungsreich, schwer fassbar und philosophisch – allerdings ohne die Insignien der akademischen Philosophie.
Alle sieben Bände sind nun in einem schönen Hardcover-Band zusammengefasst, der das aufwendige Design der Originalmagazine beibehält (grosses Lob an Pantheon für die grossartige Produktion!). Die Kerngeschichte, die aus mehreren miteinander verwobenen Handlungssträngen besteht, ist unschwer zu verfolgen, lässt sich jedoch nicht leicht zusammenfassen: Die Leser*innen sind eingeladen, aus den spärlich angebotenen Fragmenten eine tiefere Bedeutung zusammenzusetzen. Offensichtliche Gegensätze tauchen immer wieder auf: Technologie und Natur, Mechanismus und Organismus, Sprache und Bedeutung, Menschlichkeit und Göttlichkeit, Krieg und Frieden, Freundlichkeit und Gewalt, das Alltägliche und das Bizarre – und nichts davon löst sich auf klare Weise auf.
Seit seinen frühesten Mini-Comics vor Jahrzehnten bin ich immer wieder von Nilsens Werken fasziniert. Er experimentiert unermüdlich mit dem Wesen von Comics und grafischem Storytelling – wie sich Geschichten entfalten, wie Seiten funktionieren –, jedoch auf subtile, unaufdringliche Weise. Seine Arbeit reiht ihn ein in die Reihe englischsprachiger Formalisten wie Chris Ware, Richard McGuire oder früherer Erfinder wie Winsor McCay und Lyonel Feininger, aber mit einem anderen Temperament und einer anderen, eher philosophischen als ästhetischen Absicht. Die intellektuelle Suche spiegelt sich in der grafischen Struktur wider: vielschichtig, rekursiv und unbeeinflusst von linearer Kausalität.
Die Sammelausgabe trägt den bezeichnenden Titel Volume One. Am Ende wird klar, dass wir nur einen kleinen Einblick in eine umfassende Untersuchung von Bedeutung, Mythologien und dem Verlauf der Menschheitsgeschichte erhalten haben – von den Anfängen der Menschheit in Ostafrika bis hin zu unseren heutigen globalen Konflikten und ideologischen Auseinandersetzungen. Nilsen behandelt all dies mit Leichtigkeit in einem Cartoon-Stil, der immer auch zutiefst unterhaltsam ist. Angesichts des langsamen Rhythmus der Veröffentlichungen von Tongues warte ich mit prometheischer Geduld auf die Fortsetzung – und zähle die Tage.

Mark David Nevins

Anders Nilsen: «Tongues»,
Pantheon 2025, in englischer Sprache,
368 S., Hardcover, farbig,
$ 35,99
Ausserdem: «Tongues», sechs Ausgaben plus «Supplement No. 1», herausgegeben vom Autor

Alfredo P. Alcalà: «Voltar»

Philippinisches Epos

Der philippinische Künstler Alfredo P. Alcalà (1925–2000) ist heute selbst Comic-Kenner*innen kaum noch ein Begriff. Doch mit seinen Comics und Trickfilmen prägte er die westliche Popkultur der Achtzigerjahre entscheidend mit. Zeichnen war sein Leben: Während der japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg merkte er sich bei Spaziergängen die Stellungen der Besatzer und zeichnete sie aus dem Gedächtnis nach, um sie der philippinischen Guerilla und den US-Streitkräften zuzuspielen. 1963 erschaffte er in seiner Heimat die Comic-Serie Voltar, ein stilistisches Meisterwerk, bei dem er Skript, Zeichnungen und Lettering komplett selbst übernahm. Beeinflusst von den Radierungen Gustave Dorés, entwickelte er mit einem modifizierten Füllfederhalter einen akribischen Stil von enormer visueller Tiefe und Detailreichtum, wie man ihn in Comics heute selten sieht. Voltar erzählt von einem Krieger, der in einem altertümlichen Europa voller dunkler Magie und Monster gegen finstere Mächte kämpft; inspiriert von US-Pulp- und Fantasy-Magazinen erinnert die Hauptfigur stark an Conan der Barbar.
Alcalà zieht in den 1970er-Jahrem zusammen mit Landsleuten wie Tony de Zuniga, Alex Niño oder Nestor Redondo in die USA und arbeitet für Marvel und DC. Bei Marvel prägt er als Tuscher von John Buscema den Stil von Savage Sword of Conan, bei DC trägt er in der Serie Swamp Thing (mit Rick Veitch und Stephen Bissette) sowie bei Batman und Detective Comics (mit Don Newton) wesentlich zum Erfolg der Geschichten bei. Und sein Einfluss reicht weiter: Er illustriert die Mini-Comics der Masters of the Universe-Actionfiguren, zeichnet Adaptionen von Planet der Affen und wirkt an Zeichentrickserien wie Thundar der Barbar mit. Voltar bleibt jedoch Alcalàs Meisterstück. Dass das Epos im deutschsprachigen Raum erhalten bleibt, verdanken wir dem Retrofabrik-Verlag, der die Geschichten auf Deutsch in einem beeindruckenden grossformatigen Band herausgebracht hat.

Giovanni Peduto

Alfredo P. Alcalà: «Voltar».
Retrofabrik, 182 S.,
Hardcover/Grossformat,
CHF 69 / EUR 49.90

Kris Bertin, Alexander Forbes: «Hobtown Mystery Stories 3: The Secret of the Saucer»

Aliens in Nova Scotia

Das Ende steht am Anfang, buchstäblich. Wer The Secret of the Saucer, den dritten Band der Hobtown Mystery Stories, aufschlägt, blickt nach dem Titelblatt direkt auf die Worte «The End». Es ist der radikale Auftakt eines Comics, der seine Kapitel in umgekehrter chronologischer Reihenfolge erzählt. Im Zentrum steht der Teen Detective Club, eine Gruppe jugendlicher Detektiv*innen. Der Ort des Geschehens der Serie ist das titelgebende Hobtown in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Ein idyllisches Provinzstädtchen, um das sich jedoch viele geheimnisvolle Geschichten ranken. Einem dieser Geheimnisse sind Dana, Pauline, Sam, Brennan, Denny und Iggy auf der Spur. Während eines turbulenten Bürgermeisterwahlkampfs sehen sie sich mit der Ankunft einer fliegenden Untertasse konfrontiert. Die umgekehrte Leserichtung macht den Angriff der Aliens und die daraus resultierende Verwirrung unter den Bewohner*innen formal greifbar. Erst in den letzten Kapiteln erfährt man, was wirklich vorgefallen ist. Die Leser*innen tasten sich den Detektiv*innen gleich von Kapitel zu Kapitel vor und versuchen, aus den Fragmenten einen Sinn aufzubauen.
Die Serie wurzelt in einer lebenslangen Freundschaft der Autoren Kris Bertin und Alexander Forbes, die gemeinsam das fiktive Hobtown entwarfen. Die Einflüsse lieferten klassische Jugendbücher von Enid Blyton oder die Nancy Drew-Romane. Doch Bertin und Forbes nutzen diese nostalgischen Schablonen nur als Gerüst, um darunter Abgründe aus Folklore und Horror freizulegen. Es ist, als würde man die Fünf Freunde durch die Linse von David Lynch lesen. Der Zeichenstil von Forbes ist kontrolliert und steril. Durch seine akribischen, geometrisch wirkenden Schattierungen bekommt Hobtown eine beunruhigende, greifbare Tiefe. The Secret of the Saucer ist kein leicht konsumierbarer Rätsel-Comic, sondern ein psychologisches Experiment. Es ist ein mutiges, kompromissloses Storytelling, das sich weigert, dem Mainstream entgegenzukommen. Das wirkt über längere Strecken verwirrend und anstrengend – man muss einen gewissen Durchhaltewillen zeigen. Und gerade darum ist die Lektüre ein grossartiges Abenteuer.

Giovanni Peduto

Kris Bertin, Alexander Forbes: «Hobtown Mystery Stories 3: The Secret of the Saucer».
In englischer Sprache,
Oni Press, 264 S.,
Softcover, farbig,
$ 24.99


Bibliografie von Jack Moriarty (alle in englischer Sprache und nur noch antiquarisch erhältlich)

Jerry Moriarty (1938–2026), Der Paintoonist

Erst im Juni sickerte die Nachricht vom Tod Jerry Moriartys durch, der am 25. März 2026 mit 88 Jahren verstarb. Mit ihm verliert die Comic-Welt einen Grenzgänger, der Barrieren zwischen akademischer Malerei und Comic auflöste. Sein Schaffen erhob das Triviale zur Kunst, umschrieben mit Moriartys Selbstbezeichnung «Paintoonist» (aus Painter/Maler und Cartoonist/Comic-Zeichner). Er weigerte sich, zwischen Leinwand und Panel zu wählen und sah in beiden Medien die Chance, flüchtige Momente in zeitloser Form festzuhalten.
Geboren am 15. Januar 1938 in Binghamton (NY), wurde Moriartys Talent früh von seinem Vater gefördert. Nach dem Abschluss 1960 am Pratt Institute widmete er sich dem
Abstrakten Expressionismus und illustrierte gleichzeitig für Magazine wie Swank oder Sports Illustrated. 1963 begann seine fast fünf Jahrzehnte währende Lehrtätigkeit an der School of Visual Arts in Manhattan. Diese Position sicherte ihm finanzielle Unabhängigkeit und er fand damit zu einer erzählerischen Tiefe, die in seinem Hauptwerk Jack Survives gipfelte.
Diese Serie bildet das Herzstück von Moriartys Schaffen und ist eine künstlerische Annäherung an seinen früh verstorbenen Vater. Er schuf eine Projektionsfläche für jenen Generationendialog, der real unmöglich blieb. Moriarty sah in Jack einen Jedermann und sein «besseres Ich», mit dem er banale Alltagsprobleme wie defekte Fernseher oder verhedderte Hundeleinen als metaphysische Schauplätze inszenierte. Art Spiegelman und Françoise Mouly entdeckten die Vignetten und veröffentlichten sie 1980 in ihrem Magazin RAW.
Comic-Autor Chris Ware schreibt Moriarty den Verdienst zu, «Feierlichkeit und Ewigkeit» in ein Medium eingeführt zu haben, das normalerweise eher auf das Schrille, Schnelle und Grelle setzt. Laut Moriartys Theorie «Get Smart with Art» wird man erst durch das Malen klüger. Das Bild trifft beim Entstehen eigene Entscheidungen, denen der Künstler folgt. In diesem Dialog entsteht eine Intelligenz. Seine «Geysir-Theorie» hingegen besagt, dass man beim künstlerischen Schaffen «Gas und Bremse» gleichzeitig drücken muss, bis sich der kreative Stau in einer Eruption entladen würde.
Zentral war sein kompromissloses Vertrauen in das Gedächtnis. Er arbeitete ohne Brille (die er zum Lesen benötigte) und nahm Erinnerungen zur Hilfe, die stärker wirkten als fotografische Genauigkeit. Seine Seiten sind Palimpseste: Übermalte Fehler dokumentieren als sichtbare «Geister» früherer Linien den harten Arbeitsprozess. Spiegelman verglich Moriartys Kompositionen mit der Eleganz Edward Hoppers und der Einfachheit von Ernie Bushmillers Nancy.
Ab dem 62. Lebensjahr schuf Moriarty mit Sally’s Surprise ein farbenfrohes Gedenken an seine eigene Pubertät. Mit dem Mädchen Sally wählte er einen weiblichen Avatar, um das sexuelle Erwachen in einer Welt vor Playboy und Barbie zu reflektieren. Die lebhaften Acrylfarben wurden von den Mustern seiner Hawaiihemden beeinflusst und dienten dazu, die Wahrheit der Erinnerung durch fiktive Verfremdung einzufangen.
Moriartys bleibendes Vermächtnis wurzelt in seiner Marktverweigerung: Er verkaufte nie Originale und sicherte seine Existenz durch seinen Lehrberuf. Diese Integrität verleiht seinem Werk eine Authentizität die von Weggefährten hochgeachtet wurde. Er bleibt als Chronist der Ewigkeit in Erinnerung, der in der Stille eines Pinselstrichs den Puls des Lebens einfing.

Giovanni Peduto

Bibliografie von Jack Moriarty (alle in englischer Sprache und nur noch antiquarisch erhältlich):
«Jack Survives». (RAW One-Shot, Nr. 3).
RAW Books & Graphics, 1984
«The Complete Jack Survives».
Buenaventura Press, 2009.
«Whatsa Paintoonist?»
Fantagraphics Books, 2017.
«Visual Crime».
Fantagraphics Books, 2021.

Hélène Le Cam, Marzena Sowa nach Tahar Ben Jelloun: «Papa, was ist Rassismus?»
Sébastian Vassant, Stephen Desberg nach dem Buch von Thomas Piketty: «Eine kurze Geschichte der Gleichheit»


Kreuzritter und Neue Rechte

Der Trend, neben Literatur auch vermehrt politische Sachbücher als Comic zu adaptieren, existiert schon eine ganze Weile. Während manche Sachbuch-Comics hölzern und leblos umgesetzte Auftragsarbeiten sind oder gar den Anschein machen, einem KI-Prompt entsprungen zu sein, gibt es glücklicherweise auch gelungene Umsetzungen, die die visuelle Erzählkraft des Comics nutzen, um die inhaltliche Dichte des Textes aufzulösen und leichter zugänglich zu machen. Idealerweise sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene, um sie an die zum Teil komplexen Themen heranzuführen oder sie zumindest neugierig zu machen, wie das die beiden folgenden Comics tun: Papa, was ist Rassismus? beruht auf dem französischen (und in viele Sprachen übersetzten) Bestseller von Tahar Ben Jelloun, der aus einem Gespräch mit seiner Tochter auf dem Weg zu einer Demonstration gegen die Änderung des Einwanderungsgesetzes hervorging. Die einfachen und zugleich sehr klugen Fragen der neunjährigen Tochter und die sehr klaren sowie bildhaften Antworten des Autors führen uns die erschreckende und absurde Geschichte des Rassismus vor Augen, mit Beginn der Kreuzritter bis zu den neuen Rechten. Hélène Le Cam und Marzena Sowa haben eine klare und lockere Bildsprache entwickelt, die dem Rezipienten das Gefühl vermitteln, dem Dialog direkt beizuwohnen. Den Zeichnerinnen gelingt es, das schwere Thema immer wieder unterhaltsam aufzulockern, und es dadurch um so einprägsamer zu vermitteln. Ein Comic für Erwachsene, Jugendliche und Kinder, der hoffentlich auch seinen Weg in den Schulunterricht findet. Auch der zweite Sachbuch-Comic widmet sich dem Thema sozialer Ungleichheit, er basiert auf den Büchern von Thomas Piketty, der die Ungleichheit aus der Sicht der Ökonomie behandelt. Sébastian Vassant und Stephen Desberg haben Eine kurze Geschichte der Gleichheit nun als Comic umgesetzt, der aufgrund der aufgezeigten masslosen Ungerechtigkeit des Kapitalismus eigentlich nur dank der humorvollen Bildsprache zu ertragen ist. Dabei liefern die Bilder einen Subtext, der die Aussagen von Politikern und Kapitalisten konterkariert. Denn egal, ob bei der Französischen Revolution oder nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg – wann auch immer angenommen wurde, die soziale Ungleichheit sei besiegt, gingen letztlich aufgrund politischer Verflechtungen und undurchsichtiger Machenschaften die Kapitalist*innen unbeschadet aus der Krise hervor und konnten ihr Vermögen weiterhin mehren. Wahrlich ein augenöffnender Comic, der Lust auf die Bücher von Piketty macht.

Matthias Schneider

Hélène Le Cam, Marzena Sowa nach Tahar Ben Jelloun:
«Papa, was ist Rassismus?».
Jacoby & Stuart, 128 S., Hardcover, farbig,
CHF 24.90 / EUR 16
Sébastian Vassant, Stephen Desberg nach dem Buch von Thomas Piketty: «Eine kurze Geschichte der Gleichheit».
C.H. Beck, 96 S.,
Softcover, farbig,
CHF 28 / EUR 22


Jochen Gerner, Christian Rosset: «Minimalismus»

Mehr ist mehr

Bisher gibt es kaum deutschsprachige Veröffentlichungen von Jochen Gerner, dem französischen Comic-Künstler mit dem deutsch klingenden Namen, der zunächst mit seinen konzeptionellen Comics zum festen Kern bei L’Association gehörte, dann verstärkt als Illustrator für internationale Zeitungen und Kinderbuchverlage arbeitete und sich inzwischen mit seinen grafischen Werken als eigentlicher Künstler etabliert hat. Um so erfreulicher ist es, dass nun mit Minimalismus, erschienen in der Comic-Bibliothek des Wissens, ein Werk veröffentlicht wurde, das seine grafische und konzeptionelle Arbeit thematisch als auch visuell kongenial präsentiert. Christian Rosset, Autor und Radiojournalist, hat einen Text über den Minimalismus in der Kunst geschrieben, von seinen Anfängen in der Musik von Erik Satie, der Kunst von Matisse und der Architektur von Ludwig Mies van der Rohe (von diesem stammt auch der Ausspruch «Less is more»), bis er in den 70er-Jahren zu einer eigenständigen Kunstform wurde, der Minimal Art und der Minimal Music. Rosset mäandert sehr erfrischend durch die Zeitgeschichte und stellt konzeptionelle Verbindungen zwischen den verschiedenen Künstlern und Kunstformen her, wodurch er neue Perspektiven eröffnet und neugierig macht. Einziges Manko an Rossets Text ist seine fast völlige Aussparung weiblicher Vertreterinnen dieser Kunstbewegung – als einzige Künstlerin wird Getrude Stein abgebildet. Spätestens ab der Hälfte des Buches fragt man sich, wo denn Künstlerinnen wie Agnes Martin, Meredith Monk, Ellsworth Kelly, Anne Truit oder Eva Hesse bleiben. Vielleicht hat Jochen Gerner deshalb die beiden Comic-Klassiker-Figuren Nancy und Olivia Oil als Sprecherinnen genommen, damit wenigstens ein paar wenige Frauen in dem Buch auftauchen. Überhaupt ist es eine Freude, wie Gerner die Seiten gestaltet und ihnen trotz ihrer Textlastigkeit eine erstaunliche Leichtigkeit verleiht. Panels fehlen völlig, allein durch Texte, Schriften und Grafiken gelingt es Gerner, die Geschichte des Minimalismus visuell zu strukturieren, ihr einen Lesefluss zu verleihen, und sich gleichzeitig als einer ihrer interessantesten Protagonisten im Comic-Bereich zu outen. Denn neben Hergé, Palladino und Trondheim wird auch Gerner von Rosset nicht aufgeführt – meines Erachtens ein weiteres Manko des Textes. Manchmal wäre mehr eben doch mehr.

Matthias Schneider

Jochen Gerner, Christian Rosset: «Minimalismus».
Jacoby & Stuart, 96 S.,
Hardcover, farbig,
CHF 22.90 / EUR 14

Biografien

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Aisha Franz
ist eine in Berlin lebende Comic-Zeichnerin und Illustratorin. Sie ist Autorin mehrerer Graphic Novels, darunter Shit Is Real, die für den LA Times Book Prize nominiert wurde und Work-Life-Balance, die 2022 mit dem Max-und-Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Comic ausgezeichnet wurde. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit beteiligt sie sich an Gemeinschaftsprojekten wie Clubhouse, einer Residenz- und Publikationsinitiative, die gemeinsam mit Colorama entwickelt wurde. Zu ihren Arbeiten im Kinderbuchbereich gehören Drei aus der Zukunft, deren zweiter Band 2026 bei Reprodukt erschienen ist.

aishafranz.com
@aishathesheriff
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Lee Lai
ist ein*e australische*r Comic-Zeichner*in, sie lebt in Tio’tia:ke (kolonial bekannt als Montreal). Lee Lais neueste Graphic Novel Cannon ist bei Drawn & Quarterly, Giramondo, Sarbacane, Avant und anderen Verlagen erschienen. Lee Lai lebt mit zwei lieben Mitbewohnenden und einer Katze namens Pumpkin zusammen.
ee-lai.cargo.site
@_leelai
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Liana Finck
ist eine Cartoonistin und Graphic-Novel-Autorin aus New York. Ihre jüngsten Bücher sind How To Baby: A
No-Advice-Given Guide to Motherhood, with Drawings und Mixed Feelings, beide bei Penguin Random House erschienen.
lianafinck.com
@lianafinck
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Alice Socal
*1986 in Venedig (Italien). Sie begann ihr Studium in Illustration und Comic an der Kunstakademie von Bologna und setzte es an der HAW Hamburg fort. Sie hat mehrere Comic-Bücher in verschiedenen Verlagen in Italien veröffentlicht, in Deutschland erschienen ihre Comic-Alben Sandro, Wie lange noch und Cry Me a River im Verlag Rotopol. Sie arbeitet als Illustratorin, Comic-Zeichnerin
und Lehrerin in Berlin.
@alice_socal
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KC Councilor
ist ein Transmann, Comic-Zeichner, Vater und Professor aus den USA. Er hat Comics in literarischen und wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht, darunter im Mutha Magazine, bei The Rumpus und in den Annals of Internal Medicine. Derzeit arbeitet er an einer grafischen Autobiografie über queere Elternschaft.
kccouncilor.com
@betweenyouandmetranscomics
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Pia Bramley
ist Künstlerin und Illustratorin und produziert kleine Zeichnungen und Kaltnadelradierungen, die das Alltägliche festhalten und würdigen. Sie ist Absolventin der Royal Drawing School und lebt nach einem Jahrzehnt in
London nun im New Forest. Ihr Buch Pandemic Baby erschien 2021 bei Icon Books.
piabramley.co.uk
@piabramley
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Joris Bas Backer
*1981 in den Niederlanden, «nur einen kurzen Radweg vom Meer entfernt», wie er sagt. Nach seinem Studium kam er 2003 nach Berlin, wo er nun mit Rad aber ohne das Meer lebt. Seine erste Graphic Novel Kisses for Jet, eine Art «Coming-of-Gender»-Geschichte, erschien 2020. Sein neues Buch Baumschatten, das 2026 bei Edition Moderne erschien, verknüpft eine fiktive queere Liebesgeschichte mit dem Thema Umweltschutz und den sogenannten «Nazi-Eichen», die während des NS-Regimes gepflanzt wurden.
orisbasbacker.net
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Sheree Domingo
ist Comic-Zeichnerin, Illustratorin
und visuelle Vermittlerin. Zu ihrem vielseitigen Repertoire zählen neben fiktionalen wie (auto)biografisch geprägten Graphic Novels (Ferngespräch 2019, Madame Choi und die Monster 2022, beide bei Edition Moderne erschienen) auch Arbeiten im Bereich der Wissenschaftskommunikation und Visual Recordings. Sie lebt in Berlin.
shereedomingo.com
@sheree_domingo
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Noémie Fatio
ist freischaffende Comic-Zeichnerin, Illustratorin und Grafikerin aus Biel (CH). Diesen Sommer hat sie einen Master-Kurs in Graphic Storytelling an der LUCA School of Arts in Brüssel abgeschlossen. Sie arbeitet zudem als Co-Verlagsleiterin beim STRAPAZIN. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich hauptsächlich mit den Themen Feminismus, Mutterschaft und dem Älterwerden von Frauen in unserer Gesellschaft.
noemiefatio.ch
@nickel.bleuciel
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Wanda Dufner
ist Illustratorin, Comic-Zeichnerin und Künstlerin aus dem Kanton Aargau, wo sie noch heute lebt.
Sie hat Visuelle Kommunikation mit Schwerpunkt Illustration Fiction an der Hochschule Luzern — Design & Kunst (HSLU) studiert und arbeitet derzeit in ihrem Atelier in der Wisa Gloria in Lenzburg. Ihr Debüt Bauchlandung ist 2025 bei
der Edition Moderne erschienen. 2021 erhielt sie dafür das Comic-Stipendium der Deutschschweizer Städte und war
2023 für den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung nominiert.
wandamirjana.ch
@wandamirjana
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Ulrike Steinke
arbeitet als freischaffende Illustratorin und Comic-Zeichnerin in München. Für ihr Comic-Projekt Die Schwestern­schaft erhielt sie 2025 das Literaturstipendium der Stadt München. In ihren Geschichten erzählt sie Beobachtetes, Recherchiertes und Erlebtes als Einzelbild oder in Comic-Form.
Von 2019 bis 2023 erschien ihre wöchentliche Bildkolumne Steinkes Ansichten auf der Meinungsseite der Süddeutschen Zeitung.
ulrike-steinke.de
@ulrike.steinke
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Yara Jakobs
beschäftigt sich anhand wechselnder Medien – Text, Malerei, digitale Zeichnung – mit psychologischen Prozessen und queeren Familiendynamiken. Sie veröffentlichte in Sammelbänden, unter anderem in Tandem. In der Lehre
bei Anke Feuchtenberger sowie in Magazinen, darunter Internazionale. Ihr Debüt Schläfrige Schlangen erschien 2025 im MamiVerlag. Im Sommer 2024 war Jakobs Stipendiatin von Parents in Arts des BKM Hamburg, 2025 folgte das nationale Arbeitsstipendium in Literatur des Künstlerhauses Lauenburg.
@yarajakobs
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Hannah Loewen
geboren 2002 und aufgewachsen in Dänemark, ist Künstlerin und Illustratorin. An der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle arbeitet sie derzeit an einem Comic als Abschlussprojekt.
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